"Es schaut einfach fürchterlich aus", beschreibt Jörg K. die Situation am Friedhof Meidling. Regelmäßig greift er selbst zu Gummihandschuhen und Schaufel, um Fäkalien von den Gräbern seiner Eltern zu schrubben, Toilettenpapier aufzusammeln und leere Alkoholflaschen wegzuräumen. Obwohl er sich bereits an unzählige Stellen gewandt hat, ist keine Besserung in Sicht.
Im Jahr 2017 wurde der Vater des Niederösterreichers in Meidling begraben – schon damals fing es an. Immer wieder wurde das Grab geschändet und verunstaltet. Als – nun acht Jahre nach dem Tod von Jörg K.s Vater – auch seine Mutter verstarb, erreichte die Situation einen neuen Höhepunkt. Bereits am Tag vor der Beerdigung wurde das Grab für Frau K. für den Sarg vorbereitet und leicht geöffnet zurückgelassen. Über Nacht ereignete sich dann etwas, das sich Jörg K. nicht einmal im Traum hätte vorstellen können: "Jemand hat in das Grab meiner Mutter gemacht." Fäkalien und Toilettenpapier lagen darin.
Direkt hinter den Gräbern hat Jörg K. schon öfter Schlafplätze von Obdachlosen entdeckt und vermutet hier die Ursache des Problems. "Eigentlich tun mir solche Menschen ja leid, aber wer macht so etwas?", fragt er sich. Immer wieder wandte sich der Niederösterreicher an den Friedhof, den Bezirk oder die Polizei, doch bisher änderte sich nichts an der Situation.
"Heute" fragte bei den Friedhöfen Wien nach, wie mit der Situation umgegangen wird. "Wenn einzelne Vorfälle auftreten, werden diese unmittelbar vom Friedhofspersonal bearbeitet", heißt es auf Anfrage. Ein systematisches Problem sehe man hier nicht. Bei ungebührlichem Verhalten oder strafrechtlich relevanten Handlungen wende sich das Friedhofspersonal umgehend an die Polizei oder die zuständigen Behörden – auch Grabeigentümer können dies tun. "Darüber hinaus wird regelmäßig geprüft, ob zusätzliche Kontrollen erforderlich sind, die im Bedarfsfall auch umgesetzt werden", so die Wiener Friedhöfe abschließend.