Am Freitag wurde in Innsbruck ein neuer September-Rekord aufgestellt: 34,3 Grad gab es in der seit 1877 laufenden Messreihe noch nie! Das war's aber noch nicht, der September macht dort weiter, wo der meteorologische Sommer aufgehört hat.
"Bis Dienstag legt der Sommer noch einmal nach", schreiben die Meteorologen der UBIMET. Der Herbst steht aber in den Startlöchern: "Am Mittwoch erreicht dann aber eine Kaltfront das Land, und diesmal sieht es nach mehr aus als nach einer kurzen Abkühlung."
Der September hat sich vorgenommen, dort weiterzumachen, wo der Sommer aufgehört hat. Rund 4 Grad über dem Klimamittel liegt die Bilanz der ersten Tage. In einem Monat, in dem eigentlich die ersten Nebelfelder in den Tälern liegen können, sind Freibäder und Badeseen weiter gut besucht.
Der 4. September hat dann noch einmal in diesem Jahr die Messreihen umgeschrieben, die älter sind als die Republik. In Innsbruck kletterte das Thermometer auf 34,3 Grad und das an einer Station, die seit 1877 misst. 149 Jahre lang war kein Septembertag so heiß. Der bisherige Rekord stammte aus dem Vorjahr und wurde um fast zwei Grad pulverisiert.
"Und Innsbruck war kein Einzelfall", schreibt Peter Wölflingseder. Landeck 33,6, Haiming 33,0, Jenbach 32,6 Grad, quer durch Tirol fielen die Bestmarken reihenweise. Sogar in der Höhe in Seefeld auf 1.180 Metern knackte erstmals die 30-Grad-Marke. In St. Anton wurden 28,5 Grad gemessen, in Nauders 28,4, beides Stationsrekorde.
Doch auch der Süden zog mit: Klagenfurt meldete 31,8 Grad, so heiß war es dort in keinem September seit Messbeginn 1952. Und in Graz Straßgang standen 32,7 Grad auf der Anzeige.
Damit bauen sich auch die Rekorde der Hitzetage an einigen Stationen aus:
Der heutige Samstag hat mit einer Störungszone für einen Moment Herbstgefühl gesorgt: Wolken, ein paar Schauer, gedämpfte Temperaturen. Wer daraus schon den Saisonwechsel ablesen wollte, wird allerdings enttäuscht: Es war nur eine Verschnaufpause.
Der Sonntag startet im Bergland und im Süden noch zäh: hochnebelartige Restwolken, in der Früh vereinzelt ein paar Regentropfen. Doch am Vormittag lockert es auf, die Sonne setzt sich verbreitet durch. Über den Bergen quellen zwar ein paar Wolken auf, aber Schauer bleiben die absolute Ausnahme. Der Nordwestwind flaut ab, die Höchstwerte liegen zwischen 21 und 28 Grad, der Aufwärmvorgang läuft.
Am Montag zieht das Thermometer dann an. Nach der raschen Auflösung einiger inneralpiner Frühnebelfelder scheint zunächst verbreitet die Sonne. Von Westen ziehen im Tagesverlauf Wolken durch, im Bergland gehen lokale Schauer oder Gewitter nieder, in der Osthälfte und generell abseits der Alpen bleibt es dagegen trocken bei freundlichem Sonne-Wolken-Mix. Im Osten dreht der Wind auf Südost, und genau der schaufelt die warme Luft heran: 24 bis 30 Grad, spätsommerlich im besten Sinn.
Der Höhepunkt folgt am Dienstag. Dann wird es noch einmal verbreitet hochsommerlich, und in der Osthälfte sind bis zu 33 Grad drin. Das ist nicht alltäglich: Werte um 33 Grad sind gegen Mitte September auch im Wiener Becken oder im Nordburgenland sehr außergewöhnlich und bewegen sich im Bereich der Septemberrekorde.
Im Westen bleibt es zwar ebenfalls sommerlich, die 30-Grad-Marke wird dort aber wohl nicht mehr erreicht. Tagsüber ziehen vom Bodensee bis ins Innviertel Schauer durch, später wird es auch im Mühl- und Waldviertel gewittrig. Trocken und heiß bleibt es dagegen von Unterkärnten bis ins Weinviertel, bei nur schwachem Wind.
Zwei Tage also, an denen sich Freibad, Schanigarten und Badesee noch einmal lohnen. Man sollte sie nutzen, es wird vermutlich die letzten Tage dafür sein.
Am Mittwoch erreicht eine Kaltfront von Norden her das Land und die macht keine halben Sachen. Sie bringt einen regelrechten Temperatursturz, und anders als bei manchem Vorgänger in diesem Sommer sieht es diesmal nach mehr aus als nach einer kurzen Abkühlung: Nach derzeitigem Stand ist der Umschwung nachhaltig. Die Zeichen stehen auf Herbst.
Der Tag beginnt an der Alpennordseite und im zentralen Bergland bereits nass. Von der Früh weg regnet es immer wieder schauerartig, lokal auch kräftig. Im Osten und Süden scheint zunächst noch die Sonne, doch spätestens ab Mittag ist auch damit Schluss: Schauer ziehen auf, lokal entladen sich kräftige Gewitter.
Im Westen lässt der Regen am Nachmittag zwar nach, die Sonne zeigt sich aber kaum mehr. Dazu frischt auch abseits der Gewitter lebhafter Westwind auf.
Am deutlichsten liest man die Zäsur am Thermometer. Ganz im Südosten sind es noch einmal 25 bis knapp 30 Grad, sonst aber nur mehr 14 bis 24. Wo am Dienstag 33 Grad standen, fehlen einen Tag später gut und gerne zehn Grad.
Die Wettermodelle rechnen den Umschwung nicht nur für einen Tag durch, sondern für die gesamte kommende Woche – und sie sind sich einig: Die Wärme kommt so schnell nicht zurück, ein Altweibersommer ist vorerst nicht in Sicht. Je weiter der Prognosezeitraum reicht, desto größer werden die Unsicherheiten allerdings.
Der Grund: Das Hoch, das uns die Hitze gebracht hat, baut sich nicht wieder auf. Stattdessen bleibt Mitteleuropa im Einflussbereich atlantischer Tiefdruckgebiete mit wechselhaftem Wetter und herbstlichen Temperaturen.
Für den Alltag heißt das: Ab Donnerstag liegen die Tiefstwerte am Morgen im oberen einstelligen Bereich, und selbst am Nachmittag sind nur mehr 18 bis 22 Grad drin. "Das sind ganz normale Septemberwerte. Nach diesem Sommer fühlen sie sich trotzdem an wie ein Bruch", schließt Wölflingseder.