Große Premieren

Sommernachtszauber in Schönbrunn lockt Tausende an

Vor der Kulisse von Schloss Schönbrunn wurde Wien wieder zur Freiluftbühne für eines der größten Kulturereignisse des Jahres, dem Sommernachtskonzert.
Newsdesk Heute
19.06.2026, 22:11
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Das traditionelle Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker hat am Freitagabend den Schlosspark Schönbrunn erneut in eine der wohl eindrucksvollsten Freiluft-Bühnen Europas verwandelt.

Vor der barocken Kulisse des Schlosses erlebten Tausende Besucher eine musikalische Reise durch Oper, Operette, Symphonik, Ballett und Musical. Auch vor den Bildschirmen verfolgten zahlreiche Zuschauer das traditionsreiche Kulturereignis, das vom ORF zeitversetzt übertragen wurde.

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Das Konzert gilt seit Jahren als eines der wichtigsten kulturellen Aushängeschilder der Bundeshauptstadt. Die Idee dahinter ist unverändert: Hochkarätige klassische Musik soll für alle Menschen frei zugänglich sein. Damit verstehen die Wiener Philharmoniker die Veranstaltung als Geschenk an die Wiener Bevölkerung und an die Gäste der Stadt. Heuer stand das Sommernachtskonzert ganz im Zeichen mehrerer Premieren.

Erstmals leitete der Schweizer Dirigent Lorenzo Viotti das Orchester auf der Open-Air-Bühne vor Schloss Schönbrunn. Der international gefragte Musiker wird ab 2028 die Funktion des Generalmusikdirektors am Opernhaus Zürich übernehmen. Für Viotti bedeutete der Auftritt einen besonderen Moment, schließlich dirigierte er erstmals das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker.

Bekannte Melodien und musikalische Entdeckungen

Auch der Solist des Abends feierte eine Premiere. Der walisische Bassbariton Bryn Terfel trat erstmals beim Sommernachtskonzert auf. Dabei ist der Sänger den Wiener Philharmonikern seit Jahrzehnten eng verbunden. In Opernproduktionen und Konzerten stand er bereits vielfach gemeinsam mit dem renommierten Orchester auf der Bühne. Sein Debüt in Schönbrunn nutzte Terfel für einen Querschnitt durch jene Rollen, die seine internationale Karriere geprägt haben.

Das Publikum hörte Arien und Ausschnitte aus Werken von Arrigo Boito, Giuseppe Verdi und Richard Wagner. Besonders eindrucksvoll geriet der Ausflug in die Welt von Wagners "Das Rheingold".

Das Werk feiert heuer ein besonderes Jubiläum, denn seine Uraufführung liegt mittlerweile 150 Jahre zurück. Terfel schlüpfte dabei in die Rolle des Göttervaters Wotan, einer seiner bekanntesten Bühnenfiguren. Doch nicht nur Opernliebhaber kamen auf ihre Kosten. Mit dem Lied des Tevje aus dem Musical "Fiddler on the Roof", im deutschsprachigen Raum besser bekannt als "Anatevka", schlug Terfel eine Brücke zwischen Klassik und Musical.

Neben bekannten Melodien bot das Konzert auch musikalische Entdeckungen. Die Wiener Philharmoniker präsentierten mehrere Werke, die nur selten auf den Konzertprogrammen zu finden sind. Dazu gehörte die "Méditation" aus der Oper "Thaïs" von Jules Massenet. Mehr als ein Jahrhundert lang war kein Instrumentalwerk des französischen Komponisten im Rahmen eines Konzerts der Wiener Philharmoniker zu hören gewesen. Umso bemerkenswerter war die Rückkehr dieser Musik auf das Programm des Orchesters.

Orchester setzte Komponisten ein musikalisches Denkmal

Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch Florence Price. Die afroamerikanische Komponistin, Pianistin, Organistin und Pädagogin zählt heute zu den bedeutenden Wiederentdeckungen der klassischen Musik. Ihr Werk "Adoration", ursprünglich für Orgel geschrieben, erklang in einem Arrangement von Elaine Fine für Solovioline und Orchester. Die ruhige und beinahe meditative Komposition sorgte für einen der stilleren Momente des Abends.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Musik von Erich Wolfgang Korngold. Mit der ersten Aufführung seiner "Straussiana" im Repertoire der Wiener Philharmoniker setzte das Orchester dem Komponisten ein musikalisches Denkmal.

Korngold hatte sich in seinem letzten Orchesterwerk weniger bekannten Melodien von Johann Strauss Sohn gewidmet und daraus ein eigenes Klanggemälde geschaffen.

Für einen optischen Höhepunkt sorgte das Wiener Staatsballett. Zu Maurice Ravels zweiter Suite aus der choreografischen Symphonie "Daphnis et Chloé" entstand ein außergewöhnliches Zusammenspiel aus Musik, Tanz und Architektur.

Die Choreografie von Eno Peçi verwandelte die Fassade von Schloss Schönbrunn in eine riesige Projektionsfläche. Als Schattenspiel wurde die Geschichte der beiden Findelkinder Daphnis und Chloé sichtbar gemacht. Die Verbindung aus Bewegung, Licht und Musik verlieh dem Konzert eine zusätzliche emotionale Ebene.

17 Kameras und sogar Drohnenaufnahmen

Auch technisch wurde das Großereignis aufwendig umgesetzt. Die Fernsehübertragung kommentierte Kulturmoderatorin Teresa Vogl. Für die Bildregie zeichnete erneut Henning Kasten verantwortlich, der als langjähriger Sommernachtskonzert-Regisseur gilt.

17 Kameras fingen das Geschehen ein. Neben klassischen Perspektiven kamen auch Drohnenaufnahmen zum Einsatz, die eindrucksvolle Bilder des beleuchteten Schlossparks lieferten. Zwischen großen Opernmomenten, selten gespielten Werken, Tanzkunst und vertrauten Wiener Klängen wurde Schönbrunn für einige Stunden zum musikalischen Mittelpunkt der Stadt.

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