Thomas S. ist eine Legende unter den Taxlern in Wien. Der 65-Jährige ist seit 45 Jahren in der Hauptstadt unterwegs, seit ein paar Jahren holt er aber nur noch ausgewählte Fahrgäste gegen Vorbestellung ab. Doch auch er merkt: die Konkurrenz wird härter, die Kontrollen strenger. Vor Kurzem gab es für den Wiener eine unangenehme Überraschung am Airport in Schwechat (NÖ).
"Ich habe Fahrgäste zum Flughafen gebracht und sie dort aussteigen lassen", erzählt der Taxilenker. "Plötzlich stand ein Polizist neben mir, verlangte Taxischein und Zulassung. Alles wurde kontrolliert – dann kassierte ich eine Anzeige!"
Denn auf dem Fahrzeug des Wieners fehlte das grüne Kreuz zur Markierung des Verbandskastens. Der Wiener fiel aus allen Wolken. "Das grüne Kreuz ist laut Betriebsordnung nur für Taxis aus Niederösterreich Vorschrift", ärgert er sich. Nun wartet der 65-Jährige auf die angedrohte Anzeige. "Ein Kollege hat schon eine bekommen, er muss 60 Euro zahlen!"
In der Wiener Wirtschaftskammer ist das Problem bekannt. "Wir haben gehört, dass mehr kontrolliert wird", heißt es auf Anfrage. "In der NÖ Landesbetriebsordnung (LBO) steht, dass ein Taxi Erste-Hilfe-Ausrüstung an Bord haben muss und das wiederum muss mit einem Aufkleber "weißes Kreuz auf grünem Grund" auf der Außenseite des Taxis gekennzeichnet sein", so ein Sprecher.
Taxler Thomas S. habe "eine Anzeige wegen Verstoß gegen die NÖ-Landesbetriebsordnung erhalten, die für ihn nicht gilt." Die Wirtschaftskammer rät dem Taxler, nach Erhalt der Anzeige einen Einspruch einzulegen. "Offenbar gibt es hier bei Details zur Betriebsordnung manchmal Informationsmängel."
Hintergrund der Kontrollen dürfte der Streit zwischen NÖ-Taxlern auf der einen und Uber und Bolt auf der anderen Seite sein. "Die NÖ-Taxler sind sauer, zeigen Uber- und Bolt-Fahrer laufend an", so Thomas S. Denn die Billig-Konkurrenz schnappe den Taxlern die Fahrgäste weg.
"Uber und Bolt können Ad-Hoc-Bestellungen über die App aufnehmen, ohne längerfristige Vorbestellung", so Thomas S. Taxis aus Wien würden hingegen meist leer wieder retour fahren. Sie dürfen im fremden Niederösterreich nur vorbestellte Fahrgäste, aber keine Laufkundschaft mitnehmen.
"Genauso passiert das jetzt aber auch in Wien, wo eine Vielzahl an Schwechater Taxifahrer für Bolt und Uber Kunden in Wien einsteigen lassen und so den Wienern das Geschäft wegnehmen", meint Thomas S. "Jeder fürchtet um sein Geschäft", heißt es dazu aus der Wirtschaftskammer Wien. Die Unterschiede zwischen Bundes- und Landesbetriebsordnungen würden leider immer wieder für Verwirrung sorgen.