Liga-Legende im Talk

Sonnleitner: "Sie haben das Messer zwischen den Zähnen"

Mario Sonnleitner absolviert seine Trainer-Lizenz in Nordirland, will mit dem FAC aufsteigen. In "Heute" spricht er über Rapid, Hartberg und Kühbauer.
Erich Elsigan
17.04.2026, 07:05
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357 Pflichtspiele für Rapid, 47 für Hartberg – Bundesliga-Legende Mario Sonnleitner ist der ultimative Experte, wenn es um Duelle seiner Ex-Teams geht. Am Sonntag sind die Hütteldorfer bei den Steirern zu Gast, drei Tage später kommt es im Allianz Stadion erneut zum Kräftemessen.

Im "Heute"-Interview verrät der ehemalige Innenverteidiger, wie er die Chancen einschätzt – und wer die besten Karten auf den Meistertitel hat. Der Co-Trainer des FAC träumt zudem vom Aufstieg in die Bundesliga. Und: Der 39-Jährige berichtet, wie es ihm beim Trainerkurs in Nordirland geht.

"Heute": Was löst das Duell Hartberg gegen Rapid in Ihnen aus?
Mario Sonnleitner: "Viele Sympathien und viele familiäre Gefühle für beide Mannschaften. Ich war ewig bei Rapid, habe eine starke Bindung zum Verein und den Leuten dort. Aber auch die Jahre in Hartberg waren toll. Die Menschen dort tun alles, um erfolgreich zu sein. Es gibt viele, die ehrenamtlich arbeiten."

Wem drücken Sie eher die Daumen?
"Grundsätzlich soll der Bessere gewinnen, aber Rapid trage ich schon mehr im Herzen."

Überrascht es Sie, dass Hartberg im Meister-Play-off steht – und jedem Punkte wegnehmen kann?
"Sie haben ein gutes Team, haben eine gute Struktur, sind defensiv stabil. Und: Im Herbst hat vorne Elias Havel aus wenig ganz viel gemacht. Es war abzusehen, dass sie es ins Play-off schaffen. Der Erfolg kommt nicht ganz überraschend. Es gibt sehr erfahrene Spieler, die wissen, worauf es ankommt."

Wird Hartberg noch immer unterschätzt?
"Wenn du als Auswärtsteam in Hartberg spielst, ist es ungewohnt. Mittlerweile ist es ein Stadion, aber davor hatte es Dorfplatz-Charakter. Das ist anders, als vor 20.000 Leuten oder im Europacup zu spielen. Es ist mental schon herausfordernd. Die Hartberger sind immer auf Spannung, haben das Messer zwischen den Zähnen – vor allem gegen die Großen. Für jeden Spieler und Trainer ist es die Chance, zu zeigen, dass man mit weniger Mittel auch etwas erreichen kann."

Hartberg hat wie Salzburg erst sieben Spiele verloren – so wenige Pleiten hat sonst niemand. Und: Sie haben die wenigsten Tore kassiert. Hat Hartberg die beste Abwehr der Liga?
"Sie sind sehr defensiv orientiert. Das ist eine Mannschaft, die tief steht und dem Gegner wenig Räume lässt. Wenn du da nicht effektiv genug bist, hast du ein Problem. Hartberg macht es im Verbund sehr gut. Mit Spendlhofer, Heil und Kainz haben sie viel Erfahrung im Kader, dazu hungrige junge Spieler."

Coach Manfred Schmid wartet noch auf einen neuen Vertrag. Belastet so ein Thema die Spieler?
"In der Kabine wird vermutlich schon darüber gesprochen. Aber sobald angepfiffen wird, ist nur das Spiel wichtig. Da zählt dann nur die Leistung."

Mario Sonnleitner auf der FAC-Trainerbank
GEPA pictures

Rapid ist eine Art Wundertüte. Welches Gesicht erwarten Sie am Sonntag?
"Ich denke, sie werden sehr dominant sein. Hartberg wird tief stehen und versuchen, über Konter zu kommen. Rapid wird viel Ballbesitz haben. Das wird die Charakteristik des Spiels sein. Ich bin gespannt, ob Rapid Lösungen findet. Einen tiefen Block zu bespielen, ist nicht so einfach. Rapid ist im ersten Drittel schon sehr gut, aber sie schaffen den Transfer ins letzte Drittel noch zu selten, kreieren zu wenig Chancen."

Gelingt es in den letzten Runden, die Ideen von Trainer Hoff Thorup besser umzusetzen? Reicht die Zeit?
"Jedes Spiel und jedes Training hilft, du analysierst ja jedes Spiel. Sie haben keinen Europacup, haben immer eine volle Woche Zeit, sich vorzubereiten. Da kannst du schon Inhalte durchgehen. Es wird von Spiel zu Spiel besser werden."

Vier Punkte fehlen aktuell auf Rang eins. Was ist möglich?
"Zwei Siege gegen Hartberg sind die Grundvoraussetzung, um oben anklopfen zu können. Vielleicht geht es auch mit vier Punkten, weil die Liga so eng ist. Es ist extrem im oberen Play-off. Es ist für Rapid alles möglich, in jede Richtung. Niemand kann es vorhersehen, egal, wie nah man am Fußball dran ist. Es wird spannend bis zum Schluss."

Wer macht das Rennen, was sagt das Bauchgefühl?
"Ich denke, Sturm und der LASK sind am stabilsten. Einer der beiden wird es schaffen. Vielleicht kann Rapid mitreden, wenn jetzt zwei Siege gegen Hartberg gelingen."

Sie kennen LASK-Trainer Didi Kühbauer gut. Er hat aus den Linzern einen Titel-Kandidaten geformt. Ihre Meinung?
"Ich denke, er hat sich in den letzten Jahren extrem als Trainer weiterentwickelt. Er kann Spieler sehr gut einschätzen, er versteht, was jeder einzelne braucht, er kann Spieler besser machen. Die Erfahrung, die er gesammelt hat, hilft ihm dabei."

Trauen Sie ihm das Ausland zu?
"Ich glaube schon. Ich habe die Statistik nicht im Kopf, aber er wird in den letzten drei Jahren nicht oft verloren haben. Seinen Punkteschnitt kann kein anderer vorweisen. Es würde mich für ihn freuen, wenn er den Schritt ins Ausland wagen kann. Als Spieler hat er es ja geschafft."

Sie selbst kämpfen aktuell mit dem FAC um den Aufstieg in die Bundesliga.
"Die Saison war so nicht zu erwarten, auch wenn wir wussten, dass wir stark sein können. Wir haben eine gute Chemie im Kader. Leider haben wir das letzte Spiel verloren, obwohl wir bis zur 88. Minute geführt haben. Aber im Fußball ist alles möglich. Oft straucheln die vermeintlichen Favoriten. Wir werden alles daran setzen, um das Unmögliche zu schaffen."

Sie hatten viele Trainer in Ihrer Laufbahn. Welche Art von Coach möchten Sie sein?
"Das Wichtigste ist, authentisch zu bleiben, glaubwürdig zu sein. Ich bin ein Trainer, der zu jedem ehrlich ist und mit Leidenschaft am Platz steht. Ich habe als Spieler von allen meinen Trainern viel mitgenommen. Man muss aber seinen eigenen Stil finden. Tendenziell will ich eher offensiv spielen lassen. Ich war jahrelang Defensivspieler, will aber Chancen kreieren, Dinge offensiv lösen. Nur hinten reinstellen ist nicht mein Ding."

Sie machen aktuell die A-Lizenz. Allerdings in Nordirland, weil Sie beim ÖFB nicht genommen wurden. Wie läuft das ab?
"Zu Beginn des Kurses muss ich eine Woche hinfliegen, dazu gibt es viele Online-Seminare. Für Prüfungen muss ich auch vor Ort sein. Ich habe den Schritt gewählt, weil die Voraussetzungen beim ÖFB so waren, dass sie mich nicht aufnehmen konnten, wollten oder durften. Deswegen habe ich andere Wege gesucht. Es ist für Ex-Spieler in Österreich extrem schwierig, schnell Fuß zu fassen. Die B-Lizenz kann man berufsbegleitend machen, aber dann braucht man eine Ewigkeit für die Pro-Lizenz. Wir sind aber keine 25, ich habe bis 38 Fußball gespielt. Ich hatte immer den Plan, danach Trainer zu werden, will deshalb so schnell wie möglich die Ausbildung machen."

Wann sind Sie fertig, wenn alles nach Plan läuft?
"Nächstes Jahr bin ich mit der A-Lizenz fertig. Aber ab Kurs-Teilnahme darf man schon arbeiten. Das heißt, theoretisch kann ich schon in der 2. Liga als Cheftrainer arbeiten."

Wie waren die Reaktionen in Nordirland, als ein Österreicher im Kurs aufgetaucht ist?
"Ich glaube, sie sind ganz froh. Es ist international aufgebaut, viele Engländer sind dort, auch einige aus Amerika. Sie versuchen, den ehemaligen Spielern unter die Arme zu greifen. Von den Ex-Spielern kommt ja auch viel Potenzial, viel Know-How. Die Resonanz war positiv. Auch in Österreich haben mir viele ehemalige Kollegen und Fußballer, die ähnliche Themen haben, gratuliert."

Das Positive überwiegt?
"Für meine persönliche Entwicklung ist es extrem toll. Allein wegen der Sprache, die dann nach eineinhalb Jahren perfekt sein sollte. Aber, so ehrlich bin ich: Momentan ist es natürlich schwieriger für mich, weil Englisch nicht meine Muttersprache ist. Mein Schulenglisch ist Durchschnitt, ich habe die Matura mit einem Dreier abgeschlossen – mal sehen, ob ich damit durchkomme (lacht). Es ist Learning bei Doing. Abseits davon profitiere ich, weil ich mir ein anderes Netzwerk aufbauen kann. In Österreich kenne ich viele Leute, aber dort bin ich auf einem internationalen Niveau, lerne andere Stile, andere Spielkulturen kennen. Da kann man sich sicher viel rausziehen."

{title && {title} } ee, {title && {title} } 17.04.2026, 07:05
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