Spanien schickte König Felipe und Königin Letizia nach London, um Elizabeth II. die letzte Ehre zu erweisen. Doch auch Felipes Vater Juan Carlos kam - dabei hatte der 84-Jährige die Regentschaft 2014 an Felipe abgegeben und ist somit eigentlich nur noch emerierter König. Die beiden verstehen sich nicht mehr, wurden aber nebeneinander gesetzt. Und Juan Carlos getrennt lebende Frau Sofia saß auch noch neben ihm.
Während Felipe und Letizia eine Einladung der britischen Regierung als spanische Staatsgäste erhalten hatten, wurde Juan Carlos ebenfalls eingeladen, da er ein entfernter Cousin von Elizabeth II. ist: Ihre gemeinsame Ur-Ur-Großmutter war Königin Victoria und Juan Carlos und Elizabeth II. verstanden sich sehr gut. Felipe nannte Elizabeth II. sogar "Tante Lilibet" - ihr Kosename innerhalb der Familie.
Die Einladung ist somit nachvollziehbar und sollte in Normalfall kein Drama sein - schließlich durften etwa auch die Niederlande aus ähnlichen Gründen mehr als zwei Royals schicken. Doch gegen Juan Carlos wurde von der spanischen und der Schweizer Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Korruption, Steuerhinterziehung und missbräuchlicher Verwendung von Steuergeldern ermittelt. Dazu machte er sich in der spanischen Öffentlichkeit höchst unbeliebt, da er unter anderem 2012 zur Elefantenjagd nach Botswana gereist war - auf Kosten der Steuerzahler.
Juan Carlos lebt daher seit August 2020 im Exil in Abu Dhabi - er war in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geflüchtet, um sich dem Zugriff der spanischen Polizei zu entziehen. Doch auch wenn mittlerweile die meisten Ermittlungen gegen ihn eingestellt wurden, bleibt er weiter in dem arabischen Emirat.
Die linke Partei Unidad Podemos, Teil der spanischen Regierung, schäumte daher über die Anwesenheit von Juan Carlos: "Einen flüchtigen Kriminellen zu einem Staatsbegräbnis einzuladen zeigt, was die Monarchie in Großbritannien und Spanien darstellt", sagte Sprecher Pablo Enchenique.
Wie sehr das Verhältnis zwischen Juan Carlos und seinem Sohn Felipe wegen der Skandale zerrüttet ist, beweist dass sie in getrennten Bussen zur Westminster Abbey anreisten. Doch die britische Regierung, die bis zuletzt an der Sitzordnung feilte, platzierte beide nebeneinander. Das letzte Mal, dass beide zusammen in der Öffentlichkeit gesehen worden waren, war im Jänner 2020 beim Begräbnis von Juan Carlos Schwester Pilar. Doch das war vor Juan Carlos Flucht nach Abu Dhabi.
Immerhin setzte sich Königin Letizia zwischen Vater und Sohn. Doch noch unangenehmer für Juan Carlos: Seine Frau Sofia, von der er getrennt lebt, war ebenfalls eingeladen - und saß neben ihm auf der anderen Seite. Viel zu sagen hatten einander die vier wohl nicht. Oder bissen sich besser gesagt auf die Lippen.