"Ein Augenblick und das Leben verändert sich für immer." Mit diesen bewegenden Worten beginnt ein Spendenaufruf für Sarah (36) und ihre Tochter Anna (4). Nach der erschütternden Tragödie in Satteins ist die Anteilnahme gewaltig.
Bis Samstagfrüh, 18. Juli, wurden auf der Plattform GoFundMe bereits deutlich mehr als eine halbe Million Euro gespendet. Mehr als 9.000 Menschen haben die Familie unterstützt.
Das Geld soll Sarah und Anna in einer Zeit helfen, in der sie neben ihrer unermesslichen Trauer auch vor großen finanziellen Herausforderungen stehen. Genannt werden unter anderem die Kosten für die Bestattungen, ein laufender Kredit, weitere Verpflichtungen und der Wegfall eines wichtigen Einkommens.
"Jeder Beitrag, ob groß oder klein, ist eine wertvolle Hilfe", heißt es im Spendenaufruf. Auch das Teilen der Aktion könne dabei helfen, möglichst viele Menschen zu erreichen.
Durch den Spendenaufruf werden nun auch neue Details zum Ablauf der Traktor-Tragödie bekannt: Papa Marcel hatte nach einem gemeinsamen Abend noch mit seinen Töchtern Klara (6) und Anna (4) auf einer Hütte übernachten wollen. Mama Sarah fuhr nach Hause, da sie am nächsten Tag arbeiten musste.
Als ihr Mann und die Kinder am folgenden Vormittag nicht zurückkehrten und Sarah niemanden erreichen konnte, machte sie sich selbst auf die Suche. Auf einem Wiesengelände im abgelegenen Bereich Zwischentobel entdeckte sie den verunglückten Traktor. Was sie dort vorfand, ist mit Worten nicht zu beschreiben.
Das Fahrzeug hatte sich aus bisher ungeklärter Ursache überschlagen. Marcel und Klara verloren ihr Leben. Anna überlebte den Unfall verletzt und wurde erst Stunden später gerettet. Das vierjährige Mädchen wurde mit dem Rettungshubschrauber in das Landeskrankenhaus Feldkirch geflogen, konnte dieses inzwischen wieder verlassen.
Die Initiatorin der Spendenaktion ist eine langjährige Freundin und Hausärztin der Familie. Sarah wurde direkt als Begünstigte eingetragen. Sämtliche Spenden gehen laut dem Aufruf unmittelbar an sie und Anna.
Die Unterstützung soll Sarah vor allem die Möglichkeit geben, sich ganz auf ihre Tochter und den gemeinsamen Weg zurück ins Leben zu konzentrieren.
Marcel wird als hilfsbereiter, ehrlicher und zuverlässiger Mensch beschrieben. Als Obmann des Puch Moped-Clubs habe er Menschen zusammengebracht – seine 50-ccm-Kameraden nahmen in einem eigenen Nachruf Abschied von ihm. Vor allem aber sei er ein liebevoller Vater gewesen, für den seine Familie das größte Glück war.
Auch Klara hinterlässt eine riesige Lücke. Die Sechsjährige liebte Einhörner, schöne Kleider und ihr Pferd Murphy. "Sie freute sich so sehr auf ihren bevorstehenden ersten Schultag", heißt es.
Marcel und Klara kann kein Geld der Welt zurückbringen. Für Sarah und Anna beginnt nun ein Weg, den sich niemand vorstellen möchte. Doch Tausende Menschen sorgen nun dafür, dass die beiden in ihrem schwersten Moment nicht allein sind.
Auch die Feuerwehr Satteins hatte der Einsatz extrem emotional zugesetzt. Die Floriani veröffentlichten später eine bewegende Trauerbotschaft: "Es gibt Einsätze, die uns als Retter an unsere Grenzen bringen – und es gibt Momente, die uns mitten ins Herz treffen und sprachlos zurücklassen", heißt es darin.
Gemeinsam mit dem Team des Rettungshubschraubers und der Polizei habe man alles gegeben und versucht, den Verunglückten zu helfen. "Doch leider müssen auch wir schmerzhaft erkennen, dass wir nicht immer helfen können."
Die Tragödie traf die Feuerwehrleute auch persönlich. Mehrere Mitglieder hatten demnach ein enges persönliches Naheverhältnis zu den Opfern. Sie seien deshalb nicht nur an fachliche, sondern vor allem an emotionale Grenzen gestoßen.
In dieser schwierigen Situation übernahm die ebenfalls alarmierte Feuerwehr Frastanz die Bergung. Dafür bedankten sich die Einsatzkräfte aus Satteins ausdrücklich bei ihren Kollegen.
"Wir stehen fassungslos vor diesem Verlust. Unsere Gedanken, unsere Gebete und unser ganzes Mitgefühl gehören der Familie, den Angehörigen und allen Freunden. Wir wünschen euch allen für die kommende Zeit des Abschieds und der Trauer unendlich viel Kraft und gegenseitigen Halt", schreibt die Feuerwehr.