Es ist ein historisches Urteil: Zum ersten Mal weltweit müssen die Macher einer Spähsoftware tatsächlich ins Gefängnis. Der Gründer der Firma Intellexa, Tal Dilian, wurde in Griechenland wegen illegaler Abhörpraktiken und Datenschutzverletzungen zu acht Jahren Haft verurteilt.
Neben dem früheren israelischen Armeeoffizier Dilian wurden auch drei weitere Führungskräfte schuldig gesprochen: seine Geschäftspartnerin Sara Aleksandra Fayssal Hamou, sein ehemaliger Stellvertreter Felix Bitzios sowie Yiannis Lavranos, dessen Firma die Spionagesoftware gekauft hatte.
Wie heise.de berichtet, verhängte das Gericht eine Gesamtfreiheitsstrafe von 126 Jahren und acht Monaten, von denen acht Jahre tatsächlich zu verbüßen sind. Das Gericht lehnte mildernde Umstände ab. Die Verurteilten können Berufung einlegen.
Im Zentrum des Falls steht die Spähsoftware Predator, die von Intellexa entwickelt wurde. Damit wurden Politiker, Journalisten, Wirtschaftsführer und hochrangige Militärs in Griechenland illegal überwacht. Der Skandal wurde deshalb auch als "griechisches Watergate" bekannt.
Aufgeflogen war die Sache im Sommer 2022, als der damalige EU-Abgeordnete und PASOK-Vorsitzende Nikos Androulakis erfuhr, dass sein Smartphone mit Predator infiziert worden war. Die griechische Regierung räumte später ein, dass Androulakis vom Geheimdienst EYP überwacht wurde.
Die USA hatten Intellexa bereits auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Die Spionagewerkzeuge seien eine Gefahr für die nationale Sicherheit, hieß es aus dem US-Handelsministerium. Anfang 2024 wurden erstmals auch persönliche Sanktionen gegen Dilian und Hamou verhängt. Jetzt müssen beide sogar hinter Gitter.
Alle vier Angeklagten bestreiten eine Beteiligung an illegalen Handlungen. Das Gericht ordnete zudem Ermittlungen gegen weitere Personen an.