Schock- und Skandal-Künstler wurde er oft genannt. Doch er gibt sich auch ganz zahm für den guten Zweck. Im Vorjahr zierte seine Kunst in der Fastenzeit den Stephansdom. Jetzt setzt sich Star-Künstler Gottfried Helnwein für den Stadttempel in Wien ein.
Mit diesem besonderen Kunstprojekt – wieder stehen Kinder im Mittelpunkt – sollen Mittel für die Restaurierung des Wiener Stadttempels gesammelt werden. Helnwein will damit die Zukunft des Judentums in Österreich betonen und ein starkes Zeichen für Erinnerung und Erneuerung setzen.
Im Juni gab es für alle Kinder der jüdischen Gemeinde ein Casting mit dem international bekannten Künstler. Zehn von ihnen wurden ausgewählt und von Helnwein fotografiert. Ihre Porträts werden beim offiziellen Baustart präsentiert und stehen symbolisch für die kommenden Generationen von Wiener Juden, denen diese Sanierung gewidmet ist.
Eines der Kinder wird Helnwein in einem monumentalen Großporträt auf Holzpaneelen verewigen – genau auf jenen Teilen, die im Zuge der Renovierung aus dem Stadttempel entfernt werden. Das Gemälde wird im kommenden Jahr enthüllt und anschließend von einem internationalen Auktionshaus zugunsten der Sanierung versteigert.
Die Restaurierung des Wiener Stadttempels, der größten Synagoge Österreichs, ist ein Jahrhundertprojekt. Die Kosten belaufen sich auf rund 10,5 Millionen Euro. Um die Sanierung zu ermöglichen, ruft die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) zu Spenden auf.
Der von Josef Kornhäusl erbaute Stadttempel ist die einzige größere Wiener Synagoge, die das Novemberpogrom 1938 überstanden hat. 2026 feiert das Haus sein 200-jähriges Bestehen. "Es symbolisiert auch die Kraft und den Willen der Juden, die nach der Schoa teilweise nach Österreich zurückkehrten oder aus anderen Teilen Europas nach Wien emigrierten, um hier jüdisches Leben wieder aufzubauen", heißt es aus der IKG.
Nach fast 40 Jahren wird der Tempel nun denkmalgerecht restauriert, barrierefrei zugänglich gemacht und technisch modernisiert.