In Dänemark wird an diesem Dienstag ein neues Parlament gewählt. Großes Thema dabei, wie so oft, die Steuerfrage. Weil die Sozialdemokraten rund um Ministerpräsidentin Mette Frederiksen die Einführung der in den 90er-Jahren abgeschafften Vermögenssteuer vorschlugen, warnte Außenminister Lars Løkke Rasmussen vor Steuerflucht.
Um seiner Geschichte mehr Gewicht zu verleihen, warnte er vor norwegischen Zuständen. Dort war 2022 die Vermögenssteuer erhöht worden – mit dramatischen Folgen, wenn man Rasmussens Schilderungen Glauben schenkt:
„In der Schweiz gibt es ein Dorf, in dem sich die norwegische Gemeinde niedergelassen hat. Dort sitzen die Leute in Michelin-Restaurants und studieren Speisekarten, die auf Norwegisch verfasst sind“Lars Løkke RasmussenAußenminister von Dänemark
Neugierige Journalisten begaben sich daraufhin auf die Suche: Wo ist dieses Schweizer Dorf, in dem so viele norwegische Millionäre leben, dass die Speisekarten von Sterne-Restaurants auf Norwegisch verfasst sind?
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" fragte beim Norwegischen Club in der Schweiz und bei der norwegischen Botschaft nach. Doch beide waren völlig überrascht und wussten nichts von der Existenz so eines Dorfes.
Es folgte Google-Suchen auf deutsch und norwegisch. Auch KI wurde eingesetzt, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Doch: Nichts! Keine Treffer, die auch nur ansatzweise in die richtige Richtung gingen.
Aber: Das Interesse war geweckt. "Falls Sie in der Schweiz ein Restaurant finden, dessen Speisekarten ins Norwegische übersetzt sind, würden wir gerne wissen, wo sich dieses befindet", bat der Norwegische Club Schweiz die Zeitung um Mitteilung ihrer Recherche-Ergebnisse.
Eine Woche später kam endlich eine Auskunft vom Pressesprecher von Rasmussens Partei. Darin wird erklärt, man habe sich lediglich auf die Tatsache bezogen, dass viele wohlhabende Norweger in die Schweiz gezogen seien. Auf das Beispiel mit den Restaurants ging man nicht ein.
Erst diesen Sonntag räumte Rasmussen schließlich ein: Es gibt kein solches Dorf. Er habe die reale existierende Steuerflucht lediglich beispielhaft zuspitzen wollen. Die Geschichte mit den Michelin-Restaurants und ihren norwegischen Speisekarten: Frei erfunden.