In Portugal findet am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt an.Der gemäßigte Sozialist António José Seguro trifft auf den rechtspopulistischen André Ventura.
Bei der ersten Runde am 18. Jänner hat Seguro rund 31 Prozent der Stimmen geholt. Ventura, Chef der rechtsaußen angesiedelten Chega-Partei, kam auf 23,5 Prozent. Für die zweite Runde werden Ventura nur geringe Chancen eingeräumt – laut Umfragen liegt Seguro mit 65 Prozent deutlich vorne. Die Stichwahl findet statt, während das Sturmtief "Leonardo" mit Überschwemmungen über Portugal zieht.
Ventura, der Rechtsprofessor und Gründer von Chega ("Genug"), ist erst 43 Jahre alt. Dass er bei der Stichwahl kaum Chancen hat, dürfte ihn wenig stören. Experten sagen, dass er langfristig das Amt des Regierungschefs anpeilt – die Präsidentschaftswahl sieht er als Testlauf. "André Ventura kandidiert, um seine Wählerbasis zu halten", sagte der Politikwissenschafter António Costa Pinto von der Universität Lissabon im Jänner.
Bekannt wurde Ventura zuerst als Fußballkommentator im Fernsehen, wo er mit markigen Sprüchen auffiel. Dann wechselte er in die Politik und gründete Chega. Ventura will Portugal wieder "in Ordnung" bringen. Bei der Parlamentswahl im Mai holte seine Partei 22,8 Prozent und ist damit die größte Oppositionspartei im Parlament.
Im Wahlkampf hat Ventura angekündigt, gegen Korruption vorzugehen und die Einwanderung zu begrenzen. Außerdem setzt er sich für die chemische Kastration von Pädophilen ein.
Nach der ersten Wahlrunde meinte Ventura, dass die Rechte in Portugal "so zersplittert wie nie zuvor" sei. Gleichzeitig erklärte er, die Portugiesen hätten ihm und seiner Partei die Führung übertragen. Er rief die Menschen auf, keine "Angst vor Veränderungen" zu haben.
Der 63-jährige Seguro hingegen hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Comeback hingelegt. Von 2011 bis 2014 war er Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS) und gilt als Vertreter des moderaten Flügels. Nach einem harten Machtkampf wurde er 2014 von António Costa abgelöst, der später Regierungschef und jetzt Präsident des Europarats ist.
Während Costas Amtszeit zog sich Seguro zurück. Doch mit seinem Wahlkampf vor der ersten Runde gewann er wieder an Schwung – nicht zuletzt, weil er als einziger Kandidat der Linken echte Chancen auf die Stichwahl hatte.
Seguros politische Karriere begann klassisch: Anfang der 1990er Jahre war er Vorsitzender der Sozialistischen Jugend und Abgeordneter. Später wurde er Sportminister unter Regierungschef António Guterres, dem heutigen UNO-Generalsekretär. 1999 zog Seguro, der Politikwissenschaften und internationale Beziehungen studiert hat, ins Europaparlament ein.
Nach der ersten Runde rief Seguro in seiner Siegesrede "alle Demokraten, alle Progressiven und alle Humanisten" auf, "sich uns anzuschließen, damit wir gemeinsam den Extremismus und diejenigen besiegen, die Hass und Spaltung unter den Portugiesen säen".
Seit 1986 war in Portugal keine Stichwahl zum Präsidenten mehr nötig. Der Präsident hat zwar keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Regierungschef entlassen.