Das geplante Rechenzentrum des US-Internet-Riesen Google in Kronstorf (Bez. Linz-Land) lässt seit Monaten die Wogen hochgehen. Weil für das Mega-Bauprojekt – es soll noch größer werden als ursprünglich geplant – keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, hat sich die Kritik zuletzt weiter verstärkt.
Jetzt erreicht der Protest auch Wien: GLOBAL 2000 und ÖKOBÜRO haben die rechtliche Lage untersucht. Die beiden Organisationen warnen vor möglichen Folgen für Umwelt und Ressourcen und fordern strengere Regeln für große Rechenzentren.
Das Problem liegt laut den Experten im Gesetz: Als es geschaffen wurde, spielten riesige Rechenzentren noch keine Rolle. Deshalb kommen sie darin gar nicht vor. Es gibt also keine eigene Vorschrift, ab welcher Größe ihre Auswirkungen auf die Umwelt umfassend geprüft werden müssen.
"Unser System hat hier eine offensichtliche Lücke, die geschlossen werden muss", sagt ÖKOBÜRO-Geschäftsführer und Studienautor Gregor Schamschula. Bei anderen Großprojekten ist hingegen klar geregelt, wann eine Umweltprüfung nötig ist – etwa anhand der Leistung eines Kraftwerks oder der Größe eines Stausees.
GLOBAL 2000 fordert nun, vorerst keine neuen Rechenzentren zu genehmigen. "Die Politik muss jetzt die Stopptaste drücken", erklärt Klima- und Energiesprecherin Hannah Keller. Erst müssten alle offenen rechtlichen und politischen Fragen geklärt werden.
Die Organisationen schlagen konkrete Regeln vor: Besonders große Anlagen sollen immer geprüft werden. Bei kleineren Rechenzentren soll eine Prüfung nötig sein, wenn sie viel Wasser verbrauchen, kaum Abwärme weiterverwenden oder in besonders empfindlichen Gebieten gebaut werden. Außerdem brauche Österreich einen gemeinsamen Plan dafür, wo und unter welchen Bedingungen solche Anlagen entstehen dürfen.
Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) hält dagegen: Die Ansiedlung sei ein "internationaler Vertrauensbeweis" und die größte Einzelinvestition in der Geschichte Oberösterreichs. Laut Google sollen am Standort rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Zusätzlich erwartet Achleitner positive Auswirkungen auf Bauwirtschaft und Betriebsansiedlungen.
Der Landesrat betont zugleich, dass die Sorgen ernst genommen würden. Obwohl keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben ist, gebe es für die weiteren Bauabschnitte intensive Prüf- und Genehmigungsverfahren. Google habe weitere Ausbaustufen zur Genehmigung eingereicht, durch die das Projekt "insgesamt eineinhalb Mal größer als die erste Ausbaustufe" werden soll.