Laut aktuellen Zahlen der AK gingen 2025 bereits 72 Prozent der oberösterreichischen Beschäftigten trotz gesundheitlicher Beschwerden arbeiten – ein Rekord. 2015 waren es erst rund 30 Prozent. Als Gründe nennt die Kammer unter anderem Personalmangel, enormen Arbeitsdruck, Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen und Angst vor Konsequenzen im Betrieb.
Die WKO rückt nun die Kosten in den Mittelpunkt: Österreichs Unternehmen mussten im Vorjahr bei 5,9 Millionen Krankenstandsfällen für insgesamt 54 Millionen Krankenstandstage aufkommen. Die Entgeltfortzahlung kostete sie laut Wirtschaftskammer satte 4,8 Milliarden Euro. Für Zündstoff sorgt eine Market-Umfrage der WKO: 93 Prozent der Arbeitnehmer geben an, selbst niemals unberechtigt im Krankenstand zu sein.
Gleichzeitig vermuten aber 38 Prozent, dass Kollegen sehr wohl Krankenstände missbräuchlich nutzen. Bei den Arbeitgebern glaubt hingegen nur jeder Fünfte an Missbrauch im eigenen Betrieb. Wichtig: Dabei geht es um Einschätzungen, nicht um nachgewiesene Fälle.
"Wer krank und arbeitsunfähig ist, soll sich auskurieren und zu Hause bleiben", stellt die Wirtschaftskammer klar. Auch Firmen hätten nichts davon, wenn sich kranke Mitarbeiter an den Arbeitsplatz schleppen. Viele Betriebe würden deshalb bereits in Gesundheitsförderung, Prävention und sichere Arbeitsbedingungen investieren.
Trotzdem fordert WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer Konsequenzen: "Wer jedoch das System bewusst ausnutzt, schadet nicht nur den Betrieben, sondern auch seinen Kolleginnen und Kollegen, die Ausfälle kompensieren müssen." Das im Regierungsprogramm vorgesehene Kontrollorgan gegen Krankenstandsmissbrauch müsse rasch umgesetzt werden.