Krank zur Arbeit gehen? Für immer mehr Oberösterreicher ist das trauriger Alltag. Laut einer aktuellen Analyse der Arbeiterkammer OÖ schleppten sich 2025 fast drei Viertel der Beschäftigten trotz gesundheitlicher Beschwerden in den Job – so viele wie noch nie.
Der Anteil ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert: 2015 gingen noch rund 30 Prozent krank arbeiten, 2020 waren es bereits mehr als 50 Prozent. Mittlerweile liegt der Wert bei alarmierenden 72 Prozent. Dieses Phänomen wird "Präsentismus" genannt.
Als Gründe nennt die AK unter anderem Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen, Personalmangel, Termindruck und Angst vor Konsequenzen im Betrieb. Besonders deutlich zeigt sich das beim Arbeitsdruck: 94 Prozent der stark belasteten Beschäftigten gingen schon einmal krank zur Arbeit. Bei geringer oder keiner Belastung waren es 66 Prozent.
Die Folgen können heftig sein: 45 Prozent fühlten sich öfter abgeschlagen, 29 Prozent waren bei der Arbeit unkonzentriert. 22 Prozent blieben länger krank als nötig, 13 Prozent erlitten einen Rückfall. Jeder Zehnte kämpfte später sogar mit stärkeren gesundheitlichen Problemen.
Gleichzeitig gingen die Krankenstandstage leicht zurück. ÖGK-Versicherte in OÖ waren 2025 durchschnittlich 15,4 Tage im Krankenstand, im Jahr davor waren es 15,5 Tage. Besonders hoch waren die Werte bei Leiharbeitern mit 21 Tagen sowie bei Post-, Kurier- und Expressdiensten mit 20,7 Tagen. "Ein klarer Hinweis auf die belastenden Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen", sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
Forderungen nach schärferen Maßnahmen gegen angeblichen Krankenstandsmissbrauch weist Stangl zurück: "Krankenstände sind häufig die Folge von steigenden Belastungen und schlechten Arbeitsbedingungen." Die AK verlangt unter anderem kürzere Wartezeiten im öffentlichen Gesundheitssystem, mehr Prävention, ausreichend Personal und einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes.