Arbeit am Limit

Produktivität steigt - auf Kosten der Beschäftigten

Eine neue Studie zeigt, wie österreichische Betriebe auf Kosten der Gesundheit ihrer Beschäftigten wirtschaften.
Newsdesk Heute
08.07.2026, 10:41
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Österreichs Unternehmen steigern ihre Produktivität - das passiert jedoch oft auf Kosten der Beschäftigten. Viele Arbeitnehmer spüren mehr Druck und eine steigende Belastung. Experten fordern ein klares Umdenken.

Diese Erkenntnisse stammen aus dem aktuellen Strukturwandelbarometer, für das das Meinungsforschungsinstitut IFES im Auftrag der Arbeiterkammer Wien und des ÖGB knapp 1.500 Betriebsratsvorsitzende aus ganz Österreich befragt hat. Wie es in einer OTS-Aussendung heißt, ist Produktivität in 73 Prozent der Betriebe eines der wichtigsten Themen.

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Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet, dass die Produktivität in den letzten drei Jahren gestiegen ist. Allerdings wurde dieser Anstieg meist nicht durch bessere Rahmenbedingungen erreicht, sondern durch höheren Druck auf die Beschäftigten. ÖGB-Bundesgeschäftsführer Willi Mernyi warnt: "Die Steigerung der Produktivität geht eindeutig zu Lasten der Beschäftigten. Der Druck steigt, während die Belastungen immer größer werden. Unternehmen müssen endlich erkennen: Ihre Mitarbeiter:innen sind ihr wichtigstes Kapital. Wer das Arbeitstempo ständig erhöht, gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten."

Schlechtes Arbeitsklima

Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Das Arbeitsklima hat sich verschlechtert, der Arbeitsdruck ist gestiegen, die Krankenstände bleiben hoch und der Druck, trotz Krankheit oder in der Freizeit zu arbeiten, wächst. Die Arbeitswelt entwickelt sich dadurch zulasten der Beschäftigten. AK-Direktorin Silvia Hruška-Frank betont: "Die Arbeit wird immer intensiver, was in einer hohen Anzahl von Krankenständen resultiert. Gleichzeitig wird von Vertreter:innen der Wirtschaft nach einem höheren Pensionsalter gerufen – das geht völlig an der Realität vorbei."

Problematische Personalpolitik

Ein weiteres Problem: Viele Unternehmen schöpfen die vorhandenen Arbeitskräftepotenziale nicht aus, obwohl es einen großen Bedarf an Fachkräften gibt. 63 Prozent der Betriebe haben Schwierigkeiten, Personal zu finden. 35 Prozent sind kaum bereit, Langzeitarbeitslose einzustellen. 29 Prozent zögern bei älteren Beschäftigten, 22 Prozent lehnen Teilzeitkräfte ab und 17 Prozent schließen Personen mit Betreuungspflichten aus. Diese Zurückhaltung verschärft die Situation und verhindert nachhaltige Lösungen.

Vor allem Frauen sind betroffen: Teilzeit bedeutet für viele geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen und niedrigere Pensionen. "Personalpolitik ist oft noch nicht fair. Es braucht echte Gleichstellung: gleiche Chancen, faire Bezahlung und Arbeitszeiten, die zum Leben passen", so Mernyi.

Investitionen für mehr Arbeitsqualität

AK und ÖGB fordern ein Umdenken in den Betrieben. Produktivität darf nicht durch ständig steigenden Arbeitsdruck erzielt werden. Stattdessen braucht es Investitionen in Weiterbildung, eine gute Arbeitsorganisation und den sinnvollen Einsatz neuer Technologien.

Auch Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz sollen die Arbeit erleichtern und nicht zusätzlichen Druck erzeugen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Mitsprache der Beschäftigten: Sechs von zehn Befragten finden, dass Arbeitnehmer stärker in Entscheidungen eingebunden werden sollten. In der Praxis ist das aber nur in einem von neun Betrieben der Fall.

Betriebsräte als Schlüssel

Betriebsräte spielen eine entscheidende Rolle für faire Lösungen im Betrieb. Die Studie zeigt: Wo Betriebsräte gut eingebunden sind, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten, Betriebsrat und Management besser. Mehr Mitsprache bedeutet mehr Fairness und bessere Arbeitsbedingungen. Positiv ist, dass die Kommunikation in den Betrieben meist gut läuft. Allerdings gibt es ein Warnsignal: Die Einbindung des Betriebsrats in unternehmerische Entscheidungen ist erstmals ins Negative gekippt.

"Jetzt sind Unternehmen am Zug"

Die Befragten sehen klare Hebel für nachhaltige Produktivität: Prozessoptimierung (61 Prozent), Einbindung der Beschäftigten (59 Prozent), Weiterbildung und Qualifizierung (51 Prozent) sowie Digitalisierung (41 Prozent). Gerade bei Qualifizierung und Beteiligung gibt es laut Betriebsratsvorsitzenden noch großen Nachholbedarf.

Echte Produktivität entsteht nicht durch Dauerstress, sondern durch gute Ausbildung, effiziente Abläufe sowie gesunde und motivierte Beschäftigte. "Die Chancen sind da. Jetzt sind die Unternehmen am Zug. Wer in seine Beschäftigten investiert, wird langfristig erfolgreicher sein", betonen Silvia Hruška-Frank und Willi Mernyi.

ÖGB und Arbeiterkammer fordern:

- Ausbau der Qualifizierung: Eine breit angelegte Aus- und Weiterbildungsoffensive für alle Beschäftigten

- Gesunde Arbeit bis zur Pension: Altersgerechte Arbeitsplätze und Fokus auf Gesundheit als entscheidender Produktivitätsfaktor

- Stärkung der Mitbestimmung: Mehr Einbindung von Betriebsräten und bessere Kommunikation als Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg und soziale Stabilität

Mehr Infos zum Strukturwandelbarometer findest du hier: https://wien.arbeiterkammer.at/strukturwandelbarometer

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.07.2026, 10:41
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