Alarmierende Job-Studie

34 Prozent zweifeln, dass sie bis zur Rente durchhalten

Eine IFES-Umfrage im GPA-Auftrag zeigt: Viele Beschäftigte fühlen sich überlastet. Auch arbeiten bis zur Pension ist für immer mehr nicht vorstellbar.
Team Wirtschaft
23.06.2026, 09:56
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Unter dem Titel "G'sund am Arbeitsplatz" präsentierten die Gewerkschaft GPA, IFES und Umweltmediziner Hans-Peter Hutter am Montag in Wien neue Zahlen zur Gesundheit in der Arbeitswelt. Fazit: Viele Beschäftigte fühlen sich im Job zunehmend unter Druck.

Die Arbeitswelt habe sich stark verändert. Klassische Unfallrisiken seien zwar zurückgedrängt worden, dafür würden heute andere Belastungen stärker in den Vordergrund rücken, etwa Rücken- und Gelenkerkrankungen sowie psychische Belastungen.

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In der Praxis "erhebliche blinde Flecken"

Aus Sicht der Gewerkschaft gibt es trotz gesetzlich geregeltem Arbeitnehmerschutz weiterhin "erhebliche blinde Flecken". Während der Arbeitsdruck steige, würden Präventionsmaßnahmen oft nicht genutzt, berufsspezifische Belastungen häufig zur Privatsache erklärt.

Eine neue IFES-Umfrage im Auftrag der GPA belegt nun, wie groß der Handlungsbedarf ist. 32 Prozent der Beschäftigten bewerten demnach den eigenen Gesundheitszustand nur als mittelmäßig bis sehr schlecht. Besonders hart trifft es Menschen mit körperlich fordernden Tätigkeiten. In dieser Gruppe liegt der Anteil sogar bei 51 Prozent.

Auch das Einkommen spielt eine Rolle. Beschäftigte, die mit ihrem Geld nur knapp oder gar nicht auskommen, berichten ebenfalls deutlich öfter von einem schlechteren Gesundheitszustand. Auch hier sind es 51 Prozent.

34 Prozent glauben nicht, dass sie durchhalten

Ebenfalls abgefragt: 34 Prozent der Befragten geben an, dass sie ihre aktuelle Arbeit nicht bis zur Pension durchhalten werden. Noch übler sieht es bei Beschäftigten mit schlechtem Gesundheitszustand aus. Hier sehen sogar sechs von zehn schwarz.

Als unterstützende Maßnahmen würden sich 43 Prozent eine Verringerung der Arbeitszeit wünschen, gefolgt von weniger Arbeitsdruck (42 Prozent). 22 Prozent nennen eine Änderung beim Aufgabenprofil, 16 Prozent bessere Dienstzeiten. Ebenfalls 16 Prozent schlagen eine bessere Ausstattung des Arbeitsplatzes vor, etwa ergonomische Möbel.

Zeitdruck als größter Belastungsfaktor

Bei den Belastungsfaktoren ist Zeitdruck mit 41 Prozent top. Dahinter folgt psychisch oder emotional belastende Arbeit mit 36 Prozent sowie Umweltfaktoren wie Hitze (30 Prozent) und Lärm (29 Prozent).

Häufig genannt werden zudem fehlende Pausen (24 Prozent), Unfall- und Verletzungsgefahr (17 Prozent) sowie die Sorge, am Arbeitsplatz belästigt oder bedroht zu werden (13 Prozent).

Jeder zweite Befragte klagt über Personalmangel

Häufigste Kritikpunkte bei der Arbeitsorganisation sind Personalmangel (49 Prozent klagen darüber), eine ungerechte Aufteilung von Arbeit (25 Prozent) und Pausen. Weniger als die Hälfte können sie tatsächlich einhalten. Zusätzlich haben 48 Prozent das Gefühl, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist.

Die Umfrage sieht auch einen klaren Effekt betrieblicher Mitbestimmung. In Unternehmen mit Betriebsrat wurden laut der IFES-Umfrage öfter Maßnahmen gesetzt, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren.

Experte Hutter fordert mehr Maßnahmen

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien sieht jedenfalls weitere Herausforderungen auf uns zukommen. "Der Arbeitsdruck steigt, psychische Belastungen nehmen zu, und mit der Klimakrise kommen weitere neue Gesundheitsrisiken direkt am Arbeitsplatz an."

Aus ärztlicher Sicht gehe es, so Hutter, schon längst nicht mehr um die bloße Vermeidung von Krankheiten, "sondern um die Schaffung von Bedingungen, unter denen Menschen langfristig leistungsfähig bleiben, sich entwickeln können und psychisch wie körperlich gesund bleiben".

Davon würden nicht nur die Beschäftigten profitieren, sondern auch Unternehmen und die Gesellschaft. "Denn es zahlt sich aus: Jeder Euro, der in die Gesundheit der Beschäftigten investiert wird, kommt etwa dreifach zurück."

GPA nimmt Arbeitgeber in die Pflicht

"Gesund bis zur Pension arbeiten zu können, darf kein Glücksfall sein", kommentiert Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, das Ergebnis der IFES-Studie. "Wenn drei von zehn Menschen nicht mehr daran glauben, ihre Arbeit gesund bis zur Pension ausüben zu können, ist das ein deutliches Warnsignal an Politik und Wirtschaft."

Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sei kein Entgegenkommen des Arbeitgebers, sondern Teil seiner Fürsorgepflicht, so Teiber. Beschäftigte hätten ein Recht darauf, vor gesundheitlichen Belastungen geschützt zu werden.

Gewerkschaft fordert konkrete Maßnahmen

Die Gewerkschaft GPA fordert nun mehrere Schritte. Die Berufskrankheitenliste soll modernisiert werden. Wenn Arbeit krank mache, müssten Beschäftigte auf Unterstützung zählen können. Neue berufsspezifische Erkrankungen sollten besser erfasst und schneller anerkannt werden, etwa im Bereich des Bewegungs- und Stützapparats. Konkret nennt Teiber etwa Burn-out, Bandscheibenvorfall und Karpaltunnelsyndrom.

Außerdem verlangt die GPA einen Rechtsanspruch auf Wiedereingliederungsteilzeit. Nach schweren Erkrankungen brauche es einen verbindlichen Anspruch auf eine schrittweise Rückkehr in den Beruf.

Auch die Arbeitszeitqualität soll gestärkt werden. Beschäftigte bräuchten verbindliche Ansprüche und starke Regeln in Kollektivverträgen, damit Arbeitszeit planbarer, gesünder und besser an unterschiedliche Lebensphasen angepasst werde.

Dazu kommt der Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung. Sie soll nach dem Willen der GPA im Arbeitnehmerschutzgesetz als verbindliche Aufgabe verankert werden. Auch psychische Belastungen müssten stärker einbezogen werden.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } 23.06.2026, 09:56
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