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Bis 67! Versicherungs-Boss drängt auf spätere Pension

Österreich wird um eine Pensionsreform nicht herumkommen. Das sagte Ralph Müller, Boss der Wiener Städtischen, bei der Präsentation der Bilanz 2025.
Team Wirtschaft
23.04.2026, 06:15
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In der Zentrale im Wiener Ringturm hat Ralph Müller, Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung, am Mittwoch (22. April) die Zahlen fürs Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Fazit: "Das Unternehmen ist auf einem sehr, sehr gesunden und stabilen Wachstumskurs."

Konkret erhöhten sich die Gesamtprämien um 4,7 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern legte sogar um knapp 100 Millionen bzw. +31 Prozent auf 417 Millionen zu. Gleichzeitig zahlte die Wiener Städtische laut Müller im abgelaufenen Geschäftsjahr 3,2 Milliarden Euro an Leistungen aus, also "irgendwo bei 12,7 Millionen pro Arbeitstag".

Großes Thema – Altersvorsorge

Was die Wiener Städtische als "Marktführer in der Lebensversicherung" besonders beschäftigt, sind, so der Top-Manager, "natürlich alle Themen rund um die Altersvorsorge" – und hier der "eindeutig sichtbare Reformbedarf im Bereich des staatlichen Pensionssystems".

2040 kommen zwei Arbeitnehmer auf einen Rentner

Mit dem jetzigen Modell werde es auf Dauer immer schwieriger. Früher hätten sechs Erwerbstätige eine Pension finanziert, heute seien es drei, 2040 werde das Verhältnis nur noch bei zwei zu eins liegen. Dabei stelle das System schon jetzt eine extrem hohe Belastung für den Staatshaushalt dar.

Gesetzliches Antrittsalter sollte um zwei Jahre steigen

Hier bloß am tatsächlichen Antrittsalter zu schrauben, reicht laut Müller nicht. Aus seiner Sicht müsse dort, wo es möglich sei, das gesetzliche Pensionsalter steigen. "Im Bereich um die zwei Jahre wäre schon mal ein wichtiger Punkt", so Müller. Wegen der langen Übergangsfrist von zehn Jahren, Stichwort Vertrauensschutz, sei man schon jetzt "sehr, sehr spät dran".

Ausnahmen sollen weiter möglich bleiben

Einfach "drüberfahren" dürfe man allerdings auch künftig nicht. Für Menschen mit schwerer körperlicher oder psychischer Belastung im Job brauche es weitere Ausnahmen, erklärt Müller. Wer durch das Berufsleben gesundheitlich stark gezeichnet sei, sollte weiterhin die Möglichkeit haben, mit vollen Ansprüchen früher in Pension zu gehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Hinblick auf Altersvorsorge ist für Müller die Einbindung des Kapitalmarkts. Länder wie Dänemark, Norwegen, Schweden oder die Niederlande seien da längst weiter. Wer das nicht tue, laufe Gefahr, wirtschaftlich abgehängt zu werden.

Lebensversicherungen legen massiv zu

Was sich an den Bilanzzahlen ablesen lässt – das Misstrauen ins staatliche Pensionssystem. Allein in den vergangenen drei Jahren legte das Neugeschäft bei Lebensversicherungen um 50 Prozent zu, mit einem gewaltigen 30-Prozent-Sprung vor zwei Jahren. "Den Menschen ist offensichtlich zunehmend bewusst, dass man sich nicht nur auf die staatliche Pension verlassen sollte." Unterm Strich brachte das Segment im Vorjahr 1,25 Milliarden.

Großes Plus auch bei Krankenversicherung

Auch sonst konnte der Konzern mit ordentlichen Zahlen aufwarten: In der Schaden-/Unfallversicherung gab es ein Plus von vier Prozent auf 1,93 Milliarden Euro, in der Krankenversicherung sogar ein kräftiges Wachstum von 8,6 Prozent auf 589 Millionen Euro. Der ganz große Bringer in diesem Bereich – die Wahlarztversicherung.

Nur geringe Unwetterschäden – aber keine Entwarnung

Rückenwind kam auch von der Wetterseite: Die Schäden aus Naturgefahren sanken von 227 Millionen Euro 2024 auf 47 Millionen Euro im Jahr 2025. Müller sprach von einem "absoluten Ausnahmejahr", warnte aber zugleich davor, das als Entwarnung zu sehen. Der langfristige Trend bei Unwetterschäden bleibe steigend.

Sieben Prozent der Mitarbeiter sind 60 oder älter

In Sachen späterer Pensionsantritt geht die Versicherung übrigens mit gutem Vorbild voran. Insgesamt habe man in der Wiener Städtischen "284 Damen und Herren im Alter 60+" – das entspricht rund sieben Prozent der 4.000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft.

Dazu seien in den vergangenen Jahren mehr als 100 Neueinstellungen von Mitarbeitern gekommen, die älter als 50 waren. "Bei uns wird es kein Abschieben älterer Dienstnehmer in die Frühpension geben, um hier irgendwo Kosten zu sparen“, verspricht Müller.

Städtische investiert massiv in Lehrlinge

Gleichzeitig baut der Versicherer bei den Jungen aus: 209 Lehrlinge stehen aktuell auf der Liste – so viele wie nie. Das ist ein Plus von 14 Prozent und laut Unternehmen Rekord in der Branche.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } Akt. 23.04.2026, 14:21, 23.04.2026, 06:15
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