Mehr Wahlmöglichkeiten, mehr Übersicht, mehr Geld im Börserl – das verspricht sich die Bundesregierung von ihrem nächsten Pensionspaket. Künftig soll die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule der Pensionsvorsorge gestärkt und für alle Arbeitnehmer zugänglich gemacht werden. "Heute" berichtete bereits im Vorfeld.
Jetzt werden die Details konkreter: Die Regierung will vor allem die Abfertigung NEU attraktiver machen – ohne das bestehende System abzuschaffen. Die Kapitalgarantie bleibt bestehen, gleichzeitig sollen Arbeitnehmer künftig deutlich mehr Spielraum bekommen, was mit ihrem Geld passiert.
So wird es einfacher, angesparte Abfertigungsansprüche in eine Pensionskasse oder Lebensversicherung zu übertragen. Dafür kommt ein gesetzliches Standardprodukt, das einen kostenlosen Wechsel in die Pensionskasse ermöglicht.
Zusätzlich wird ein neues Veranlagungsmodell eingeführt: Wer will, kann künftig auf eine Variante ohne Kapitalgarantie setzen – dafür mit besseren Renditechancen. Dieses Modell ist freiwillig und erfolgt nach umfassender Information über Chancen und Risiken.
Um ein Konten-Chaos zu verhindern, werden alte Konten künftig automatisch zusammengeführt, wenn drei Jahre lang keine Beiträge mehr eingezahlt wurden. Damit soll die Übersicht über die eigenen Ansprüche verbessert werden. Arbeitnehmer können dieser Zusammenführung allerdings widersprechen.
Um das System weiter zu attraktivieren, senkt die Regierung die Verwaltungskosten der Vorsorgekassen – von derzeit maximal 0,8 auf künftig 0,6 Prozent pro Jahr. Für Arbeitnehmer bedeutet das unterm Strich höhere Nettorendite.
Bei der Präsentation des Pensionspakets sagte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ): "Künftig können Arbeitnehmer selbst entscheiden, ob sie sich ihre Abfertigung auszahlen lassen oder gezielt für ihre Pension veranlagen. Gleichzeitig sorgen wir mit der automatischen Kontenzusammenführung für deutlich mehr Übersicht. Zusätzlich reduzieren wir die Verwaltungskosten bei den Vorsorgekassen. So wird das System transparenter und moderner. Und es bringt mehr für die Menschen."
Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) fügte hinzu: "Wer jahrzehntelang vorsorgt, soll in der Pension auch spürbar davon profitieren. In Zukunft kann jeder selbst entscheiden, ob die vom Arbeitgeber eingezahlten Beiträge in ein Vorsorgeprodukt mit höheren Ertragschancen angelegt werden sollen. Mit dem Generalpensionskassenvertrag ermöglichen wir darüber hinaus allen eine Zusatzpension. So machen wir die Vorsorge attraktiver und stärken das Bewusstsein für Veranlagungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt.“
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sprach von einem "Paradigmenwechsel in der Altersvorsorge". Österreich habe viel zu lange Wohlstand verschenkt, weil Kapital gebunden statt genutzt wäre. "Jetzt sorgen wir als Bundesregierung dafür, dass die 22 Milliarden Euro, die in den Vorsorgekassen schlummern, endlich am Kapitalmarkt für die Menschen arbeiten dürfen. Wer das neue System konsequent über das gesamte Erwerbsleben nutzt, erhöht die eigene Nettopension um rund 10 Prozent."