Angesichts des demografischen Wandels wächst der Druck auf das Pensionssystem. Immer mehr Ältere stehen immer weniger Erwerbstätigen gegenüber. Die Regierung will mit dem neuen Modell der "Aktiv-Pension" nun gegensteuern – "Heute" berichtete.
Ab 2027 kommen konkrete finanzielle Anreize für jene, die über das Regelpensionsalter hinaus erwerbstätig bleiben. Aktuell sind rund 150.000 Pensionisten in Österreich weiter in Beschäftigung. Allerdings lohnt sich das wegen extrem hoher Steuerlast für viele kaum.
Außerdem birgt das aktuelle System Absurditäten wie weiter zu bezahlende Pensionsversicherungsbeiträge, obwohl die Personen ja bereits in Rente sind.
Ab dem kommenden Jahr soll damit Schluss sein. Mit der "Aktiv-Pension" kommt ein jährlicher Steuerfreibetrag von bis zu 15.000 Euro für alle, die neben dem Bezug der Alterspension erwerbstätig sind. Das entspricht umgerechnet 1.250 Euro pro Monat, die steuerfrei bleiben sollen. Der Bonus gilt auch für jene, die ihre Pension antreten könnten, das aber noch aufschieben.
Außerdem entfällt der Dienstnehmerbeitrag zur Pensionsversicherung (10,25 %) für Erwerbstätige im Regelpensionsalter ab 2027 komplett. Das bringt im Schnitt rund 100 Euro pro Monat mehr aufs Konto.
Wie viel mehr fließen im neuen Pensions-Modell künftig insgesamt aufs Konto? "Heute" zeigt das anhand einiger Beispiele; die Zahlen stammen aus dem Finanzministerium.
Beispiel 1: Bei einer Pensionshöhe von brutto 1.700 Euro im Monat und einem Zuverdienst von brutto 500 Euro/Monat liegt die Gesamtentlastung künftig bei 1.630 Euro/Jahr.
Beispiel 2: Bei einer Pensionshöhe von brutto 2.000 Euro im Monat und einem Zuverdienst von brutto 2.000 Euro/Monat liegt die Gesamtentlastung künftig bei 7.668 Euro/Jahr.
Beispiel 3: Bei einer Pensionshöhe von brutto 2.400 Euro im Monat und einem Zuverdienst von brutto 1.250 Euro/Monat liegt die Gesamtentlastung künftig bei 6.049 Euro/Jahr.
Beispiel 4: Bei einer Pensionshöhe von brutto 3.000 Euro im Monat und einem Zuverdienst von brutto 3.000 Euro/Monat liegt die Gesamtentlastung künftig bei 8.296 Euro/Jahr.
Die Entlastung gilt, wie gesagt, auch für jene, die ihre Pension bei Erreichen der Altersgrenze noch nicht beanspruchen, sondern einfach weiterarbeiten – und sich damit nicht zuletzt ihre spätere Rente auffetten. Auch diese sogenannten "Aufschieber" profitieren vom bis zu 15.000-Euro-Steuerbonus und der Befreiung vom Pensionsversicherungsbeitrag.
Beispiel 1: Bei einem Erwerbseinkommen von brutto 3.200 Euro im Monat liegt die Gesamtentlastung für Pensions-Aufschieber ab 2027 bei 6.805 Euro/Jahr.
Beispiel 2: Bei einem Erwerbseinkommen von brutto 3.200 Euro im Monat liegt die Gesamtentlastung für Pensions-Aufschieber ab 2027 bei 7.269 Euro/Jahr.
In Summe bleiben also etliche Tausend Euro mehr Netto vom Brutto. Das soll mehr Ältere dazu bewegen, länger im Job zu bleiben.
"Wer in der Pension dazu verdient, wird künftig deutlich mehr Netto vom Brutto haben", erklärt Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP): "Das ist ein wichtiges Zeichen, dass wir die Erwerbstätigkeit im Alter unterstützen wollen. Davon profitieren alle, die mehr leisten, wie auch der heimische Wirtschaftsstandort, dem Fachkräfte länger zur Verfügung stehen."
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) betont: "Wir stärken die Beschäftigten, unterstützen die Betriebe, sichern die Stabilität unseres Pensionssystems und setzen gleichzeitig ein klares Zeichen für Respekt gegenüber der Lebensleistung älterer Menschen."