Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und das Institut für Höhere Studien (IHS) senkten am Freitag ihre Konjunkturprognosen für 2026 deutlich. Dies ist relevant, weil das Finanzministerium die Zahlen als Basis für die Erstellung des Doppelbudgets 2027/28 verwendet.
Am Sonntag sprach WIFO-Chef Gabriel Felbermayr in der ORF-Pressestunde über die jüngsten Prognosen und die Ereignisse rund um den Iran-Krieg, wo die Verhandlungen erneut abgebrochen wurden.
Der Abbruch sei "keine gute Nachricht", so Felbermayr. Zwar könne man Prognosen nicht ad hoc anpassen, doch die Entwicklung dürfte sich rasch in den Preisen niederschlagen. "Am Montag werden wir wieder eine Tendenz nach oben sehen – daher besser heute noch tanken", warnte der Ökonom. Vor allem in den USA seien Spritpreise ein politisch sensibles Thema, weshalb auch aus Washington Druck entstehen könnte, den Konflikt zu beenden.
Kritisch sah Felbermayr auch die Sparpläne der Regierung. Die vom Finanzminister angekündigten zusätzlichen zwei Milliarden Euro bezeichnete er als "unambitioniert". Realistischer wären Einsparungen von drei bis vier Milliarden.
Ansatzpunkte sah er etwa bei Pensionserhöhungen, die nicht gesetzlich fixiert sind – hier ließen sich rund 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro einsparen. Generell brauche es mehr Mut und Flexibilität im Budget: "Nicht abzuwarten, bis wir Prognosen vorlegen, wäre klug – alles andere wäre dumm." Das Doppelbudget selbst hielt er für sinnvoll, allerdings sollte es ambitionierter ausfallen, zumal sich die Wirtschaft derzeit in einem leichten Aufschwung befinde.
Mit Blick auf die vergangenen Jahre sprach der WIFO-Chef von einer "neuen, unangenehmen Normalität". Die Wirtschaft sei deutlich volatiler geworden – unter anderem durch Zollpolitik und die Schwächung internationaler Institutionen wie der WTO. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Österreich sei das besonders problematisch. "Die Dinge sind anders als vor 2015", betonte Felbermayr. Entsprechend müsse sich auch die Wirtschaftspolitik anpassen und vorsichtiger agieren, etwa bei der Staatsverschuldung.
Ein großes Versäumnis sah er auf europäischer Ebene. Der Binnenmarkt sei "das größte Schutzschild", dennoch habe man etwa bei einem gemeinsamen Energiemarkt oder in der Pharmaindustrie zu wenig Fortschritte gemacht. "Es wird viel geredet, aber wenig umgesetzt", kritisiert er.
Beim Sparen müsse letztlich "jeder beitragen". Neben Pensionen und Sozialleistungen nannte er auch Parteiförderungen als möglichen Ansatzpunkt. Langfristig führt für ihn kein Weg an einer strukturellen Pensionsreform vorbei. Das tatsächliche Pensionsantrittsalter könne nicht dauerhaft bei 65 Jahren bleiben, wenn die Lebenserwartung weiter steigt. "Wenn wir ein Jahr länger leben, sollten wir ein halbes Jahr länger arbeiten und ein halbes Jahr länger in Pension sein", so Felbermayr. Gleichzeitig müsse auch die gesunde Lebenserwartung verbessert werden.