Die Nachricht über eine Waffenruhe im Nahen Osten sorgt weltweit für Aufatmen - vor allem an den Finanzmärkten. Anleger reagieren erleichtert, die Hoffnung auf stabile Lieferungen durch die Straße von Hormus lässt die Kurse steigen.
Besonders deutlich zeigt sich das beim Ölpreis: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um satte 12,9 Prozent auf 95,22 US-Dollar. Auch US-Öl der Sorte WTI fiel kräftig um 14,7 Prozent auf 96,39 Dollar. Ein massiver Rückgang, der viele überrascht.
Doch die Entwarnung könnte verfrüht sein. Die US-Energiebehörde EIA warnt: Trotz des Preisrückgangs könnten die Spritkosten noch monatelang steigen. Der Grund liegt in der Unsicherheit rund um die wichtige Meerenge von Hormus. So eine Situation habe es noch nie gegeben – weder eine komplette Sperre noch deren Wiederöffnung.
Auch WIFO-Chef Gabriel Felbermayr sieht die Lage nüchtern. Zwar sei die Erleichterung an den Märkten ("Gott sei Dank gibt es eine Waffenruhe") riesig, doch eine echte Lösung des Konflikts gebe es nicht. Die Folge: extreme Volatilität.
"Es drohen Jojo-Effekte wie in der Coronazeit" mit ständig wechselnden Öffnungen und Schließungen der wichtigen Handelsroute Hormus. "Die Energiepreise bleiben hoch. So wie das Chaos in den Lieferketten", warnt der Wirtschaftswissenschaftler.
Für Felbermayr ist die Situation ein klassischer Fall der Geoökonomik. Wer die Straße von Hormus kontrolliert, halte einen entscheidenden Hebel in der Hand – sogar wenn der eigene Luftraum vom Feind dominiert wird.
Gleichzeitig zeige sich, dass selbst militärische Großmächte wie die USA von den Märkten eingebremst werden – "zum wiederholten Mal: TACO – Trump always chickens out (some)". Das erratische Handeln des US-Präsidenten verursache "erhebliche und dauerhafte Schäden" an der Weltwirtschaft.
Die eindeutigen Verlierer der Iran-Krise seien aber die Golfstaaten. Ihr Geschäftsmodell wackelt, mögliche Gebühren für die Hormus-Passage könnten wie eine Exportsteuer wirken. Gleichzeitig wird der Weltmarktpreis aber zunehmend durch teurere Produzenten wie die USA oder Norwegen bestimmt.