"Jobmarkt aus Gleichgewicht"

AMS-Chef warnt: Bald fehlen 120.000 Arbeitskräfte

Die Bevölkerung wird älter, die Zahl der Erwerbstätigen sinkt. Wenn wir nicht mehr Menschen in den Arbeitsmarkt holen, droht Engpass, so AMS-Chef Kopf
Angela Sellner
02.04.2026, 07:43
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Die Zahlen sind alarmierend: Österreich steuert auf einen massiven Engpass am Arbeitsmarkt zu. Schuld ist vor allem der demografische Wandel. Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor.

Bis 2050 wird laut der aktuellen Bevölkerungsprognose der Statistik Austria ein Rückgang um rund 365.000 Personen im erwerbsfähigen Alter erwartet. Die Zahl der tatsächlich Erwerbstätigen werde um etwa 121.000 sinken. Gleichzeitig dürfte die Gruppe der Pensionisten (65+) um 723.000 auf mehr als 2,5 Millionen Menschen ansteigen.

Verhältnis kippt

Das Verhältnis kippt: Statt 3,3 Erwerbstätigen pro Pensionist im Jahr 2024 werden es künftig nur noch 2,2 sein. Eine extreme Herausforderung für das staatliche Pensions- und Sozialsystem.

„Wir müssen die Erwerbsbeteiligung deutlich erhöhen – bei Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund.“
Johannes KopfAMS-Chef

Besonders auffällig ist die Alterung innerhalb der Belegschaften. Während die Zahl der jungen Arbeitskräfte deutlich zurückgeht, steigt jene der über 55-Jährigen stark an – vor allem bei Frauen.

Lehrberufe unbeliebter

Ein zentrales Problem: Der Mangel trifft genau das Rückgrat der Wirtschaft. Vor allem Fachkräfte mit Lehrabschluss oder berufsbildender Schule werden knapp.

Der Grund liegt auch in Bildungstrends. Immer mehr junge Menschen machen Matura oder studieren – klassische Lehrberufe bleiben oft unbesetzt. Gleichzeitig gehen viele erfahrene Fachkräfte der Babyboomer-Generation in Pension.

Kostet 0,5 Prozent Wirtschaftsleistung

"Der Arbeitsmarkt gerät aus dem Gleichgewicht", schlägt AMS-Chef Johannes Kopf Alarm: "Wir werden älter, gleichzeitig fehlen uns genau jene Qualifikationen, die wir dringend brauchen – vor allem in der Mitte."

Die Folgen: Schon in wenigen Jahren droht im mittleren Qualifikationsbereich eine Lücke von rund 51.000 Arbeitskräften. Das geht aus einer Analyse entsprechender Szenarien des Wirtschaftsforschungsinstituts hervor. Demnach könnte dieser Fachkräftemangel die Wirtschaftsleistung bis 2029 um 0,5 Prozent bremsen.

Ganze Regionen unter Druck

Regional zeigt sich überdies ein deutliches Gefälle. Während Wien weiter wächst und als einziges Bundesland mehr Erwerbspersonen verzeichnen dürfte, verlieren alle anderen Bundesländer Arbeitskräfte. Besonders stark betroffen sind Kärnten und das Burgenland. Dort droht ein massiver Rückgang. Ganze Regionen könnten wirtschaftlich unter Druck geraten.

Video: AMS-Chef Kopf zur Integration Geflüchteter

„Wir müssen geflüchtete Menschen – auch sie sind eine wertvolle Ressource – besser im Land verteilen“
Johannes KopfAMS-Chef

Kopf spricht von einer "Schieflage": "Wien wächst trotz hoher Arbeitslosigkeit weiter, während viele Regionen ausdünnen. Das ist kein vorübergehender Effekt, sondern eine strukturelle Verschiebung." Ohne zusätzliche Arbeitskraft werde es nicht gehen. "Wir müssen daher die Erwerbsbeteiligung deutlich erhöhen – bei Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund. Wir müssen vor allem geflüchtete Menschen – auch sie sind eine wertvolle Ressource – besser im Land verteilen."

Auch Weiterbildung sei entscheidend. Schon mit gezielter Höherqualifizierung könnten tausende zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden. Kopf: "Ohne gezielte Zuwanderung und mehr Qualifizierung im Inland werden wir das Problem nicht lösen."

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