Die geplante Reform der AHS-Oberstufe ab dem Schuljahr 2027/28 ist fixiert. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) spricht von einem "guten Kompromiss" – bringt aber spürbare Änderungen für den Unterricht.
Künftig werden zwei Wochenstunden für ein neues Pflichtfach "Medien und Demokratie" reserviert. Auch Informatik wird gestärkt und um eine zusätzliche Stunde erweitert.
Im Gegenzug werden zwei Stunden Latein beziehungsweise die zweite lebende Fremdsprache gekürzt. Zusätzlich fällt eine weitere, noch nicht konkret festgelegte Stunde weg. Wiederkehr betonte, es gehe ihm nicht um eine "Agenda" gegen einzelne Fächer, sondern darum, Raum für neue Inhalte zu schaffen.
Wie die Reform konkret umgesetzt wird, hängt stark von den Schulen ab. Nur rund zehn Prozent orientieren sich derzeit strikt an den vorgegebenen Stundentafeln – für sie ändern sich die Stunden tatsächlich entsprechend.
Die Mehrheit hat mehr Spielraum: Sie kann das neue Fach ebenfalls einführen, dafür aber auch in anderen Bereichen kürzen, solange Mindeststunden eingehalten werden. Alternativ ist es möglich, "Medien und Demokratie" in bestehende Fächer zu integrieren.
AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins nennt als Beispiel ein kombiniertes Fach Deutsch und Medien, in dem die Inhalte vermittelt werden könnten.
Je nach Umsetzung kann die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden unverändert bleiben. Schulen müssen allerdings nachweisen, dass die Inhalte des neuen Fachs tatsächlich unterrichtet werden.
Neben den Stundenplänen bringt die Reform weitere Änderungen. Der Fokus soll stärker auf kompetenzorientiertes Lernen gelegt werden – also auf die Anwendung von Wissen statt reiner Theorie.
Auch übergreifende Themen wie Gesundheitsförderung, Verkehrserziehung oder Umweltbildung werden stärker in den einzelnen Fächern verankert. Laut Wiederkehr sollen sie "damit sie auch gelebt werden".
In Geografie und wirtschaftlicher Bildung wird etwa Finanzbildung stärker gewichtet. Gleichzeitig werden alle Lehrpläne überarbeitet: Neue Themen kommen hinzu, andere werden reduziert. Als Beispiel nannte der Minister Anpassungen bei Klimadiagrammen oder naturräumlichen Inhalten.
Auch aus Sicht der Schulleitungen ist die Lösung tragbar. Zins betonte, dass sich viele Schüler neue Inhalte gewünscht hätten, ohne zusätzliche Stunden zu bekommen. Gleichzeitig sei es wichtig gewesen, schulische Schwerpunkte zu erhalten und etwa das B1-Niveau in der zweiten lebenden Fremdsprache weiterhin zu ermöglichen.