An einer sogenannten Brennpunktschule in der Brigittenau zeigt sich das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung nicht nur im Alltag – wir berichteten – sondern auch in der Statistik: Nur fünf von 390 Schülern haben keinen Migrationshintergrund, das sind 1,3 Prozent. Insgesamt sprechen die Schüler 32 Sprachen, die meisten Kinder Türkisch (81) oder Arabisch (67) und Tschetschenisch (27).
230 Schüler (60 Prozent) haben muslimischen Glauben, die Christen sind in der Minderheit. In einer Klasse ist sogar nur ein einziger, der von Schülern deswegen gehänselt werden soll. Der Schulalltag ist spürbar durch Religion geprägt – besonders während des Fastenmonats Ramadan. Viele Jugendliche fasten, sind im Unterricht hungrig, durstig und müde. "Ich faste, seit ich acht Jahre alt bin. Das macht jeder in Syrien", erklärte Schüler in der Profil-Reportage.
Gleichzeitig kommt ein Großteil der Kinder – ungeachtet der Religion – aus schwierigen Verhältnissen. Die Hälfte der Eltern lebe etwa von der Mindestsicherung oder von einem Einkommen weit unter der Armutsschwelle, heißt es. Viele Kinder starten dadurch bei Beginn der Mittelschule bereits mit Rückstand. Nur ein Drittel habe die Volksschule regulär in vier Jahren absolviert. Manche können nicht einmal lesen und schreiben.
Die Probleme landen oft beim Schul-Schulsozialarbeiter, der eine Woche bei der Arbeit begleitet wurde. In seinem Büro werden Streiigkeiten geschlichtet, Zukunftsideen geschmiedet – oft gehe es aber auch um Vernachlässigung durch die Eltern, Handysucht, Erschöpfung im Ramadan, ADHS ohne Behandlung und sogar Gewalt, harte Drogen und drohende Gefängnisstrafen.
Dennoch sei die Fluktuation bei den Lehrern gering. Jeder, der hier unterrichtet, macht es aus Berufung und weiß, worauf er sich einlässt, heißt es. "Das ist nicht das Lycée", meint eine Lehrkraft. Doch selbst die engagierten Lehrer stoßen in der Brennpunktschule, die als Auffangbecken für Jugendliche mit sozialen Problemen gilt, fast täglich an Grenzen. "Es bräuchte in jeder Klasse einen Sozialarbeiter."