An einer Wiener Brennpunktschule in Brigittenau sind 230 von 390 Mittelschülern muslimisch, das sind fast 60 Prozent. Das Nachrichtenmagazin "Profil" begleitete den Sozialarbeiter Sebastian eine Woche lang bei seiner herausfordernden Arbeit. Es entstand ein erschütternder Bericht über Klassenzimmer, in denen religiöse Konflikte, Gewalt und Armut den Alltag prägen.
Ein Erstklässler ist etwa der einzige Christ. Seine muslimischen Mitschüler machen sich über ihn lustig, heißt es, hängen ihm Schimpfwörter an und kombinieren seinen Namen mit "Schwein".
Zwei Mädchen bringen eine andere Version vor. Sozialarbeiter Sebastian reagiert. "Sie sollen früh lernen, wie man Konflikte löst", sagt er und organisiert für die Beteiligten eine Mediation.
Doch Probleme wie diese gehen tiefer: In vielen Klassen dominiert eine einzige Kultur, andere fallen auf. Gerade im Ramadan würde der Islam den Alltag massiv prägen. Viele Schüler fasten – einige bereits seit dem achten Lebensjahr – "das ist in Syrien normal", heißt es. Manche liefern sich sogar regelrechte App-Challenges, bei denen Halbmonde als Punkte gesammelt werden können. Wer durchhält, gilt als stark.
Die Folgen spürt die ganze Schule: müde Kinder, Konzentrationsprobleme, kaum Energie. Selbst Schwimmunterricht wird verweigert – aus Angst, Wasser könnte in den Mund gelangen. Der Sozialarbeiter erinnert daran, dass besonders junge Menschen bei schwerer Arbeit das Fasten bleiben lassen können. "Auch eine Schularbeit ist schwere Arbeit", erklärt er, findet damit aber kaum Gehör.
Dennoch hilft die Arbeit des Sozialarbeiters laut der Reportage der Brennpunktschule, mit verschiedenen Herausforderungen fertig zu werden. Schüler besuchen die Beratungsstunden gerne, können viel mitnehmen. Dennoch stürzen Schüler regelmäßig in den Drogenkonsum ab, manche sitzen sogar in Haft. Auch dort besucht sie der Sozialarbeiter.
Ein Schüler kletterte sogar in der Justizanstalt Josefstadt aufs Dach, um seinen Freunden zu winken – wir berichteten. Viele Kinder sind von Vernachlässigung betroffen, oft muss eine Gefahrenmeldung gemacht werden. Etwa die Hälfte der Kinder kommt aus Haushalten, die Mindestsicherung beziehen oder unter der Armutsgrenze leben.