Blutige Spritzen auf dem Gehsteig, desorientierte Personen in der Umgebung – Eltern schlagen wegen der Zustände rund um eine Schule im 15. Bezirk Alarm. Sie sprechen von "verheerenden" Szenen. Der Bildungsstandort liegt nur wenige Gehminuten vom Jedmayer-Suchthilfezentrum entfernt. Viele Kinder trauen sich laut Eltern mittlerweile kaum noch allein zur Schule – einige wurden sogar von Suchtkranken angesprochen.
Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder deshalb mit dem Auto direkt bis vor die Schule. Doch genau das hat nun Folgen: Erste Strafen wegen unerlaubten Haltens wurden bereits ausgestellt.
"Die Situation vor Ort ist furchtbar. Vor der Schule liegen Spritzen. Diese Eindrücke bleiben den Kindern nachhaltig im Gedächtnis – viele sind dadurch stark verunsichert und möchten die Gegend meiden", berichtet eine betroffene Mutter. Im ersten Jahr fuhren ihre beiden Kinder noch mit der U-Bahn zur Schule – später stieg die Mutter aufs Auto um. "Mein Sohn hatte Albträume bekommen", schildert sie.
Mittlerweile weichen viele Eltern ebenfalls auf das Auto aus, um die betroffene Zone zu umgehen. Doch direkte Parkplätze gibt es keine, eine Kiss-&-Ride-Zone fehlt, und die Gasse ist in der Früh grundsätzlich für die Einfahrt gesperrt. Also halten Eltern kurz an der Straßenecke an und lassen ihre Kinder aussteigen. "Das dauert nicht mehr als zehn Sekunden", sagt die Mutter. Genau dafür kassierte sie – ebenso wie andere Eltern – nun eine saftige Strafe: 110 Euro.
Für die zweifache Mutter ist klar: "Man muss dringend die Situation auf der Gumpendorfer Straße in den Griff bekommen – und nicht Eltern bestrafen, die unter diesen Umständen ihre Schulkinder möglichst sicher aus dem Auto aussteigen lassen wollen."
Die Polizei Wien bestätigt auf Nachfrage, dass in dem Bereich vermehrt Kontrollen durchgeführt werden, da es einen merklichen Anstieg an Verstößen gab. Besonders Fahrverbote und Halten in zweiter Spur wurden missachtet. "Das Verkehrsreferat des zuständigen Stadtpolizeikommandos Fünfhaus steht in diesem Zusammenhang in Austausch mit der Schulleitung, zudem gibt es auch Gespräche mit der Gemeinde Wien" heißt es.
Zur Situation in der Gumpendorfer Straße und die dortige U-Bahnstation wird erklärt, dass diese aufgrund der Entwicklungen der Suchtmittelszene bereits seit vielen Jahren im Fokus der Streifenkonzepte der Polizei Wien stehe. "Die Bereitschaftseinheit Wien ist täglich in den öffentlichen Verkehrsmitteln, ihren Stationen und deren Umgebung präventiv und schwerpunktmäßig präsent. Das Landeskriminalamt Wien ist mit der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) sowie den einzelnen Ermittlungsgruppen ebenfalls koordiniert und täglich unterwegs."
Auch die Sucht- und Drogenkoordination Wien setzt Maßnahmen. "Mehrmals täglich" sei man rund um den Campus unterwegs. Darüber hinaus werden auch Mitarbeiter des Teams der Mobilen Sozialen Arbeit im 15. Bezirk eingesetzt, die bei Konflikten vermitteln.
"Wir können die Sorgen der Schule, Eltern und Schüler vor Ort nachvollziehen. Klar ist: Vor allem Schüler sollen sich im öffentlichen Raum sicher fühlen. Daher arbeiten wir gemeinsam als Suchthilfe Wien in Abstimmung mit dem Stadtpolizeikommando im 15. Bezirk, an einem Angebot für die Schule. Auch dazu sind wir im Austausch mit der Schule", betont die Sucht- und Drogenkoordination.