Drei Wochen lang ohne Snapchat, TikTok & Co.: Was für viele Jugendliche wie ein Alptraum klingt, setzen fast 72.000 Schüler bis 24. März in ganz Österreich beim Projekt "3 Wochen ohne Smartphone – das Österreich-Experiment" um.
Auslöser war die im September 2025 auf ORF 1 ausgestrahlte Dokumentation "Drei Wochen Handyentzug: Das Experiment". 69 Schüler des Oberstufengymnasiums in Gänserndorf (NÖ) verzichteten auf ihr Smartphone. 48 hielten bis zum Ende durch, 21 brachen vorzeitig ab.
ORF-Redakteurin Lisa Gadenstätter begleitete die Jugendlichen während dieser Zeit. Nun wurde das wissenschaftlich begleitete Experiment auf ganz Österreich ausgeweitet. Auch die 4d des BRG Pichelmayergasse (Wien-Favoriten) wollte unbedingt mitmachen.
"Ich habe im September die Dokumentation mit der Klasse angeschaut. Die Schüler haben dann gefragt: 'Machen wir das auch?' Dann kam das österreichweite Projekt und dann habe ich mir gedacht: 'Ich mach's auf jeden Fall.' Ich hab meine Schüler gefragt – alle haben die Hand gehoben. Ich war überwältigt und habe mich sehr gefreut", berichtet Elisabeth Schild, Biologie-Lehrerin und Klassenvorstand der 4d.
Für die Pädagogin war besonders wichtig, dass das Experiment ohne Zwang und Druck abläuft: "In der Vorarbeit sollten die Kinder Vorschläge bringen, was sie statt dem Smartphone machen. Ich habe ihnen gesagt, sie können jederzeit – wenn es gar nicht mehr geht – das Handy wieder nehmen. Für mich war elementar, dass wir das als Gruppe, als Schule machen, aber freiwillig."
Die 24 Jugendlichen der 4d entschieden sich für eine von drei Gruppen: Eine Gruppe verzichtet ganz auf das Smartphone, benützt stattdessen Tastenhandys. Die zweite Gruppe (Light-Gruppe) verwendet das Smartphone, allerdings mit stark eingeschränkter Bildschirmzeit, und die dritte Gruppe (Kontroll-Gruppe) macht weiter wie bisher.
„Ich verbringe sehr viel Zeit am Handy und wollte nicht meine ganze Jugend daran verschwenden“Verena (14)verzichtet aufs Smartphone
Verena (14) und Laura (14) haben sich für die Smartphone-freie Gruppe entschieden: "Ich wollte mitmachen, weil ich sehr viel Zeit am Handy verbringe und nicht meine ganze Jugend daran verschwenden wollte", meint etwa Verena.
"Ich finde, es ist eine sehr schöne Erfahrung, wenn wir in der heutigen Generation mal schauen, wie es ohne Handy ist. Ich hatte das Gefühl, wenn ich 'Light' machen würde, dann wär's zu viel Drang, auf Snapchat zu gehen, weil ich die Apps halt immer noch sehe, und ich es selber ignorieren muss", ergänzt Laura.
Drei bis fünf Stunden täglich verbringen die beiden Mädchen laut eigenen Angaben täglich am Handy: "Ich würde nicht sagen, dass ich wirklich abhängig bin. Aber ich merke halt oft, dass ich sehr schnell zu meinem Handy greife – in jeder Situation. Ich bin viel auf Snapchat. Es ist ein Drang, das wieder zu machen", erklärt Verena.
Den Jugendlichen ist das Suchtpotential bewusst: "Social Media ist mehr so eine Ablenkung. Wenn ich traurig bin oder so. Es ist auch lustig und du siehst die ganze Zeit Videos. Es macht halt aber auch süchtig, das merke ich schon. Ich bin dann komplett in einer anderen Welt", gibt Verena zu. Verpassen die Teenager etwas vom Leben? "Ich finde, es ist kurz davor. Es hält sich noch in Grenzen", urteilt Laura.
„Ich denke, dass ich meine Zeit besser investieren kann, als am Handy“Elena (13)hat ihre Bildschirmzeit auf 30 Minuten reduziert
Nicht ganz auf ihr Smartphone wollten Elena (13) und Mina (14) verzichten: "Ich mache bei der Light-Gruppe mit, weil ich trotzdem noch erreichbar sein will und auch meine Eltern verständigen kann, wenn irgendetwas los ist. Aber ich habe kein Social Media mehr – alle Apps, die ich auf meinem Handy habe, sind gesperrt", erklärt Elena.
Bei der 13-Jährigen wurde die Bildschirmzeit auf eine halbe Stunde, bei der 14-Jährigen auf 15 Minuten täglich reduziert: "Ich denke, dass ich meine Zeit besser investieren kann und auch Sachen machen kann, die mir Spaß machen – außer am Handy zu sein den ganzen Tag", meint Elena. Auch Mina hofft, "dass dieses Experiment mir weiterhelfen kann, dass ich weniger am Handy bin."
Obwohl das Projekt erst seit Mittwoch, 4. März, läuft, spüren die Teenager bereits erste Auswirkungen: "Meine Mama hat gesagt, dass ich lockerer wirke. Und ich mag es echt gerne zu lesen, aber ich komme irgendwie nie dazu. Ich wusste nicht, warum. Aber jetzt ist mir aufgefallen: Ich bin einfach zu viel am Handy. Am Mittwoch habe ich zum Beispiel urviel gelesen – das finde ich gut", sagt Elena.
Bei Mina hat sich die Schlafqualität verändert: "Ich hab' gemerkt, dass ich besser geschlafen habe, als sonst und, dass ich auch viel früher eingeschlafen bin." Lorenz (13) aus der Smartphone-freien Gruppe bringt es auf den Punkt: "Man fühlt sich gut, wenn man das Handy nicht benutzt. Man ist stolz auf sich."