Ein Gymnasium in der Stadt Salzburg plant einen ungewöhnlichen Schritt: Ab dem Schuljahr 2026/27 soll am Bundesrealgymnasium (BRG) in der Akademiestraße eine erste Klasse ganz ohne Smartphone geführt werden. Die Initiative stammt von Direktor Florian Wachter – und stößt bei vielen Eltern auf Zustimmung.
Während seit Mai 2025 bundesweit ein Handyverbot an Schulen bis zur 8. Schulstufe gilt, geht das Salzburger Projekt deutlich weiter. Ziel ist es, dass kein Kind der Klasse ein Smartphone besitzt – auch nicht in der Freizeit. "Die Idee ist, dass alle Kinder in der Klasse gar kein Smartphone besitzen und es daher auch in der Freizeit keine Rolle spielt", erklärt Wachter in den Salzburger Nachrichten.
Ausgangspunkt für das Pilotprojekt waren zahlreiche Gespräche mit Eltern. "Ich habe ganz oft den Eindruck, dass viele Eltern im Grunde für ihr Kind kein Smartphone wollen", sagt Wachter. Gerade beim Übertritt von der Volksschule in eine weiterführende Schule steige der soziale Druck, dem viele Familien nachgäben.
Eine Online-Umfrage unter Eltern, deren Kinder für Kennenlerngespräche am BRG angemeldet sind, bestätigt diesen Eindruck: Mehr als 80 von 150 Befragten signalisierten grundsätzliches Interesse an einer smartphonefreien Klasse. Mehrere Eltern hätten laut Wachter per E-Mail geschrieben, sie seien "sehr froh über eine solche Klasse", weil aktuell die Entscheidung über das erste Smartphone anstehe.
Die Teilnahme an der smartphonefreien Klasse soll auf freiwilliger Basis erfolgen. Wachter denkt an eine schriftliche Übereinkunft mit den Eltern. Sollte ein Kind später dennoch ein Smartphone nutzen, habe das keine Konsequenzen. "Natürlich hat das keine Konsequenzen, das wäre rechtlich gar nicht möglich. Und das Kind würde selbstverständlich in der Klasse bleiben", betont der Direktor.
Das Modell könne nur funktionieren, wenn es "niederschwellig" bleibe und von regelmäßigem Austausch mit Eltern und Kindern begleitet werde. Im Idealfall soll die Klasse die gesamte Unterstufe ohne Smartphone durchlaufen – also bis zur vierten Klasse Gymnasium.
Auch im Kollegium findet das Projekt Zuspruch. Die 25-jährige Lehrerin Viktoria Haslehner, die am BRG unter anderem digitale Grundbildung und Medienbildung unterrichtet, möchte die Klasse übernehmen. "Das Handy ist nicht nur bei Kindern und Jugendlichen ein großes Thema, es betrifft die ganze Gesellschaft", sagt sie gegenüber den Salzburger Nachrichten.
Ihr gefällt besonders der Gedanke, Kinder vom Gruppendruck zu befreien. "Es muss nicht jeder ein Handy haben. Wenn niemand in der Klasse ein Smartphone besitzt, öffnet das den Weg für andere Kommunikationskanäle." Als Beispiel nennt sie MS Teams, das auch über Tablet oder Laptop genutzt werden könne. Digitale Endgeräte erhalten Schülerinnen und Schüler ohnehin seit dem Schuljahr 2021/22 vom Bund.
Haslehner selbst ist ohne Smartphone aufgewachsen. "Ich denke gerne an meine analoge Kindheit zurück, ich habe viel draußen gespielt", sagt sie. Ihr erstes Smartphone habe sie mit 14 Jahren bekommen. Auch sie selbst greife heute "mitunter öfter, als mir lieb wäre" zum Handy.
Im Vorjahr nahm sie am freiwilligen Handyfasten an der Schule teil. "In der Phase unmittelbar danach hat es mich gar nicht interessiert, aufs Handy zu schauen", schildert sie. Das Handyfasten ist auch heuer Teil der Gesundheitswoche am BRG.
Das BRG Akademiestraße geht auch bei bestehenden Regeln weiter als gesetzlich vorgeschrieben. Das Handyverbot gilt dort auch in der Oberstufe. In den fünften bis achten Klassen dürfen Smartphones erst nach der fünften Schulstunde und nur bei Freistunden verwendet werden. "Diese Regel ist in der Oberstufe nicht so gut angekommen, der Protest dauert noch an", berichtet Wachter.
Langfristig hofft die Schulleitung, dass ältere Schülerinnen und Schüler als Vorbilder für die Unterstufe wirken. Gemeinsam mit dem Elternverein sind in der Oberstufe Workshops zur sinnvollen Smartphonenutzung geplant.
Ob die smartphonefreie Klasse tatsächlich zustande kommt, entscheidet sich im Herbst. Die Chancen stehen laut Direktor Wachter gut – nicht zuletzt wegen des großen Rückhalts aus der Elternschaft, wie die Salzburger Nachrichten berichten.