Vermummte Teenager standen im Februar am Dach von Österreichs größtem Gefängnis – der Justizanstalt Josefstadt, hoch über dem Innenhof. Die Jugendlichen liefen über die Dachflächen, filmten das Gelände und zoomten mit dem Handy gezielt in beleuchtete Hafträume. Clips der illegalen Aktion gingen auf Social Media viral, wir berichteten.
Einzelne Videos erreichten bis zu 200.000 Aufrufe. In der Beschreibung hieß es verkürzt: "Free an alle hinter Gitter! Inshallah kommt ihr raus." Auf die Frage nach dem Zugang antwortete ein Teenager nur knapp: "Baustelle klettern".
Aktionen wie diese wurden bereits verunmöglicht, wie nun ein "Heute"-Lokalaugenschein ergab. Das gesamte Gerüst am Gebäude des Wiener Landesgerichts, es umgibt das Gefängnis, wurde mit messerscharfem Nato-Stacheldraht gesichert. Ein Aufstieg auf's Dach ist somit nun nahezu unmöglich.
Im Vergleich zu normalem Stacheldraht dauert das Überwinden von Nato-Draht nämlich laut Experten deutlich länger. Der Spezialdraht wird bei Gebäuden und Anlagen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis eingesetzt. Auch ist der Nato-Draht gefährlicher als andere Stacheldraht-Varianten, da die rasiermesserscharfen Klingen schwere Verletzungen verursachen können. Über das Gerüst soll nun niemand mehr hinaufklettern können, jeder auch noch so kleine Zwischenraum wurde mit dem Rasiermesserdraht gesichert.
Grund für das Gerüst an dem Gerichtsgebäude ist die laufende Sanierung. Auch die angrenzende Justizanstalt Wien-Josefstadt wird seit Oktober 2023 bei laufendem Betrieb modernisiert. Die Fertigstellung ist für 2032 geplant.
Zu den Modernisierungsmaßnahmen zählen unter anderem der Austausch der Fenster, die Dämmung der Dächer sowie eine Photovoltaikanlage. Das Baugerüst rund um das Gebäude, erleichterte den Jugendlichen den Aufstieg auf das Dach.