Auch heuer bleibt bei der mündlichen Matura alles beim Alten – trotz anderslautender Ankündigungen aus dem Bildungsministerium. Eine Mindestquote fürs Bestehen wird es im Juni nicht geben.
Schüler, die im Jahreszeugnis keine schlechtere Note als einen Dreier haben und bei der schriftlichen Matura zumindest 30 Prozent der Punkte erreichen, müssen bei der mündlichen Prüfung weiterhin nur "mitwirken". Das bedeutet: Die Antworten müssen lediglich zur Frage passen, korrekt sein müssen sie nicht.
Diese Regelung geht auf die Corona-Pandemie zurück. Seit 2020 wird die Jahresleistung in die Maturanote eingerechnet. Liegt das Ergebnis genau zwischen zwei Noten, entscheidet die schriftliche Klausur. Wer im Zeugnis ein "Befriedigend" oder besser hat, ist damit weitgehend vor dem Durchfallen geschützt.
Für Kritik sorgte diese Praxis bereits in der Vergangenheit. So konnten Schüler mit guten Jahresnoten selbst dann bestehen, wenn sie bei der schriftlichen Prüfung praktisch keine Leistung zeigten. Deshalb wurde 2021 nachgeschärft: Wer weniger als 30 Prozent der Punkte erreicht, fällt automatisch durch. Für die mündliche Prüfung gibt es jedoch weiterhin keine Mindestanforderung.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) hatte angekündigt, dieses Schlupfloch zu schließen und auch bei der mündlichen Matura einen "Schwellenwert" einzuführen. Eine rechtzeitige Einigung mit den Koalitionspartnern von ÖVP und SPÖ kam jedoch nicht zustande. Laut Ministerium soll die Änderung nun im Rahmen eines größeren Pakets umgesetzt werden.
Im Zuge der Initiative "Freiraum Schule" seien zahlreiche Vorschläge zur Matura eingegangen. Diese sollen gemeinsam mit den Schulpartnern geprüft und anschließend gebündelt umgesetzt werden. Ziel sei es, den Schulen einen klaren Überblick über alle Neuerungen zu geben und diese gesammelt einzuführen. Eine neue Regelung ist nun für den Maturajahrgang 2027 geplant.
Kritik kommt von der Lehrergewerkschaft. Dort zeigt man sich enttäuscht über die Verzögerung. Aus den Schulen gebe es bereits Rückmeldungen über Probleme mit der aktuellen Regelung, erklärte der Vorsitzende Herbert Weiß (FCG). "Die Änderung war schon seit einem Jahr angekündigt und die Kolleginnen und Kollegen haben damit gerechnet." Dass die Reform nun ausgerechnet mit dem Hinweis auf weitere Verbesserungen verschoben werde, bezeichnete er als "skurril".