Zuerst war es ein Gesetz, dann plötzlich ein Datenproblem: Die Bildungsdirektion Vorarlberg sorgt im Streit um Maturaergebnisse für Kopfschütteln. Zwei Jahre lang hieß es, man dürfe die Zahlen aus rechtlichen Gründen nicht herausgeben. Nun folgt die Kehrtwende – die Daten seien gar nicht vorhanden.
Konkret geht es um die Ergebnisse der schriftlichen Zentralmatura. Unter anderem weiß die Bildungsdirektion nach eigenen Angaben nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler an einzelnen Schulen durchgefallen sind. Das berichtete der ORF Vorarlberg.
Auslöser war eine Anfrage des ORF aus dem Jänner 2024 an das Bildungsministerium. Gefragt wurde nach den Ergebnissen der schriftlichen Zentralmatura, die im Gegensatz zu den offiziell veröffentlichten Gesamtquoten nicht durch Kompensationsprüfungen oder Jahresnoten geschönt sind.
Die Anfrage wurde vom Ministerium an die Bildungsdirektion Vorarlberg weitergereicht. Diese verweigerte die Auskunft mit Verweis auf das Bildungsdokumentationsgesetz und ein angebliches absolutes Auskunftsverbot – selbst für anonymisierte, statistische Daten.
Der Streit landete schließlich vor dem Verfassungsgerichtshof. Dieser erklärte das absolute Auskunftsverbot für verfassungswidrig. Die Verfahren mussten neu aufgerollt werden – doch statt Daten zu liefern, folgte die nächste Überraschung.
Die Bildungsdirektion teilte nun mit, eine Auskunft sei nicht möglich, weil die angefragten Daten "in der Form der Fragestellung nicht vorliegen". Man habe keinen Zugang zu relevanten Systemen des Bildungsministeriums, etwa zum Schulverwaltungsprogramm "Sokrates".
Brisant: Die Bildungsdirektion ist gesetzlich verpflichtet, ein umfassendes Bildungscontrolling zu betreiben. Trotzdem weiß sie nach eigenen Angaben nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler an welchen Schulen bei der Zentralmatura negativ