Beim ORF kehrt keine Ruhe ein. Nach der Aufregung rund um Ex-General Alexander Weißmann rückt jetzt das höchste Gremium selbst in den Fokus: der Stiftungsrat. Der Vorwurf: Einige Mitglieder könnten in heiklen Doppelrollen stecken.
Besonders im Zentrum steht laut Bericht der "Kronen Zeitung" PR-Berater Gregor Schütze. Er ist nicht nur ORF-Stiftungsrat, sondern arbeitet mit seiner Agentur auch für Streaming-Riesen wie Netflix und Sky – also direkte Konkurrenten des ORF. Offiziell gehe es nur um Kommunikation, betont Schütze. Unvereinbar sei das nicht.
Für Kritik sorgt auch ein Event im Sommer 2023. Beim Forum Alpbach organisierte Schütze gemeinsam mit Partnern eine exklusive Party mit prominenter Gästeliste. Brisant: Gleich drei ORF-Firmen traten als Sponsoren auf, darunter der ORF selbst. Nutzt Schütze seine Kontakte als ORF-Stiftungsrat, um das auf Schiene zu bringen? Schütze betont, er habe persönlich kein Geld erhalten, die Sponsor-Deals seien über die veranstaltende Holding und nicht seine beteiligte Agentur gelaufen. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack.
Auch andere Stiftungsräte stehen in der Kritik. Stiftungsratsvorstand Heinz Lederer soll Kontakte ins Signa-Umfeld gepflegt haben. In Unterlagen tauchen Gespräche über angeblich "geplante falsche ZiB2-Berichte" auf. Lederer bestreitet eine offizielle Beratung, räumt aber Treffen 2023 ein. 1.200 Euro flossen dafür laut den Abrechnungen des Benko-Anwalts, so die "Krone". Lederer habe laut "profil" auch jenen Bauunternehmer beraten, der schlussendlich das ORF-Funkhaus kaufte – dort sollen Luxus-Wohnungen entstehen.
Heikel ist die Lage vor allem bei politischen Entscheidungen. So plant die Regierung eine Streaming-Abgabe für Anbieter wie Netflix oder Sky. Momentan stemmt der ORF alleine rund 300 Millionen Euro pro Jahr, die der heimischen Film- und TV-Wirtschaft zufließen. Der Rundfunk hofft auf Entlastung, indem die Konkurrenz zur Kasse gebeten wird. Im Umkehrschluss wollen diese die Abgabe so gering wie möglich halten.
Ein Gewissenskonflikt für Schütze? Unvereinbar ist das nicht, "sonst würde ich es auch nicht machen", sagt er. Er berate nur in Sachen Kommunikation und "nicht zu ORF-Positionen". Und: Eine Partnerin seiner Agentur sei für Sky und Netflix zuständig.
Für zusätzliche Brisanz sorgt der Streit um Formel-1-Rechte, die in Deutschland bei Sky liegt und über Eigentümer RTL zumindest in Grenzregionen auch in Österreich empfangbar wäre. Hierzulande teilen sich ORF und ServusTV die teure Lizenz – auch hier prallen Interessen direkt aufeinander.
Schütze war zuletzt auch für das Red Bull Media House – dazu gehört auch ServusTV – tätig. Für das TV- und Printmagazin "Bergwelten" hatte die Agentur des Stiftungsrats im vergangenen Jahr die Aufgabe, wichtige Persönlichkeiten für eine Wanderung zu gewinnen. Er arbeite für "Bergwelten", erklärt er – das sei eine "totale Auszeichnung."
Ein weiterer Fall: Thomas Prantner. Der frühere ORF-Online-Direktor sitzt seit 2025 für die blaue Steiermark im Stiftungsrat – und berät ebenfalls Sky. Er sei seit November 2023 als Konsulent "für Stakeholder-Management sowie Kooperationen im Bereich Wirtschaft und Industrie" tätig, bestätigt er der "Krone". Er sieht darin keinen Konflikt, da er weder angestellt noch beteiligt ist: "Es liegt keine Unvereinbarkeit vor".
Auch wenn offiziell vielleicht alles erlaubt ist, bleibt eine Frage: Wem fühlen sich die ORF-Stiftungsräte am Ende wirklich verpflichtet?