Ältere Menschen haben es am Arbeitsmarkt oft schwer – und das, obwohl sie hoch qualifiziert und erfahren sind. Denn wer mit über 55 Jahren seinen Job verliert, hat deutlich geringere Chancen, wieder in eine reguläre Beschäftigung einzusteigen.
Das führt dazu, dass die Dauer der Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe überdurchschnittlich hoch und das Risiko, in die Langzeitarbeitslosigkeit zu rutschen, entsprechend groß ist. Für Betroffene bedeutet ein Arbeitsplatzverlust nicht nur finanzielle Unsicherheit, sondern oft auch den Verlust von gesellschaftlicher Teilhabe und persönlicher Anerkennung.
Dem will die Bundesregierung nun entgegenwirken. Sozial- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) präsentierte am Freitag das Maßnahmenpaket "Aktion 55+". Damit sollen etwa 3.000 bis 6.000 sinnstiftende, kollektivvertraglich entlohnte Arbeitsplätze für benachteiligte Personen über 55 Jahren geschaffen und gefördert werden. Für die Maßnahme sind ab 2026 satte 50 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen (ab 2027 unter Budgetvorbehalt).
"Arbeit ist für viele Menschen weit mehr als ein bloßes Einkommen: Sie bedeutet Würde, Teilhabe und Struktur. Gerade für Menschen über 55 Jahre ist ein Jobverlust oft besonders belastend. Viele ältere Arbeitslose wollen arbeiten und ihre Erfahrung und Expertise einbringen. Was ihnen fehlt, sind nicht die Fähigkeiten, sondern die Chancen", erklärt SPÖ-Ministerin Korinna Schumann.
"Mit der Aktion 55+ schaffen wir genau diese Chancen mit sinnvollen und fair entlohnten Arbeitsplätzen. Unternehmen können vom Schatz älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren – denn wer auf ältere Fachkräfte setzt, gewinnt damit jahrelange Erfahrung, umfangreiches Wissen und wertvolle Kompetenzen", führt sie weiter aus.
Die Aktion 55+ sieht dabei eine Kombination unterschiedlicher arbeitsmarktpolitischer Instrumente vor. Konkret sollen rund 60 Prozent der geförderten Arbeitsplätze im Rahmen von sozialökonomischen Betrieben und gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten umgesetzt werden. Weitere 40 Prozent sollen über Eingliederungsbeihilfen zustande kommen.
Ein möglichst individualisiertes Matchingverfahren, begleitende Beratung und Betreuung ergänzen den Maßnahmenmix. In sozialökonomischen Betrieben ist eine längere Förderdauer (für maximal acht bis zwölf Monate) sowie eine höhere Förderintensität bei der Eingliederungsbeihilfe vorgesehen, um schnelle Einstiegsmöglichkeiten zu schaffen und nachhaltige Beschäftigung zu ermöglichen, führt das Ministerium aus.
Bei den Eingliederungsbeihilfen handelt es sich um finanzielle Zuschüsse zu Lohn- und Lohnnebenkosten. Es gelten die üblichen Förderbedingungen für Unternehmen. Ausgenommen davon sind das AMS, der Bund, politische Parteien und deren Klubs sowie radikale Vereine.
"55 ist ein entscheidender Wendepunkt am Arbeitsmarkt. Immer mehr Menschen arbeiten länger, gleichzeitig steigt ab diesem Alter aber auch das Risiko von Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit überproportional. Mit der Aktion 55+ setzen wir gezielt auf bewährte Strukturen, gemeinnützige Beschäftigungsprojekte und sozialökonomische Betriebe sowie die Eingliederungsbeihilfe, um Menschen über 55 wieder eine echte berufliche Perspektive, Stabilität und einen nachhaltigen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen", führt AMS-Vorstandsmitglied Petra Draxl aus.