Das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die staatliche Altersvorsorge bröckelt weiter. Bei der Präsentation der IMAS-Vorsorgestudie 2026 durch Erste Bank Österreich und Wiener Städtische Versicherung im Wiener Ringturm wurde deutlich: Die Sorge, dass die staatliche Pension später nicht reicht, ist erheblich gewachsen.
Aktuell glauben mittlerweile 74 Prozent, dass sie später keine ausreichend hohe staatliche Pension erhalten werden. Nur 19 Prozent rechnen damit, dass die staatliche Zahlung ausreichen wird. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein markanter Stimmungsumschwung: Der Anteil der Skeptiker ist im Jahresabstand um 12 Prozentpunkte gestiegen. Hier zeigt, so Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen, die zuletzt stärker werdende Diskussion über die Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems Wirkung.
Die Unsicherheit hat auch einen Preis – und zwar einen sehr konkreten. 39 Prozent schätzen ihr persönliches Risiko, später von Altersarmut betroffen zu sein, als sehr bzw. eher hoch ein. Immerhin 53 Prozent schätzen hingegen die Gefahr zu verarmen als eher oder sehr gering ein.
Diese Angst vor einem finanziell eng werdenden Lebensabend führt zu einer weiteren Befürchtung: Viele rechnen damit, in der Pension mit dem Job nicht wirklich abgeschlossen zu haben. Konkret gehen 63 Prozent davon aus, im Alter noch immer einer Beschäftigung nachgehen zu müssen, um den Lebensstandard erhalten zu können. 15 Prozent davon rechnen weiter mit Arbeit in Vollzeit, 21 Prozent in Teilzeit und 27 Prozent zumindest geringfügig. Nur 22 Prozent glauben, dass sie in der Pension nicht arbeiten müssen, weitere acht Prozent sind bereits in Pension.
Ein Blick auf das persönliche Pensionskonto zeigt dabei ein weiteres Problem: Wissen und Transparenz sind vorhanden – werden aber nur teilweise genutzt. Laut der Studie weiß erst rund die Hälfte über das aktuelle Guthaben am gesetzlichen Pensionskonto Bescheid. Und selbst bei jenen, die ihr Guthaben kennen, ist die Zufriedenheit durchwachsen: 50 Prozent sind damit sehr/eher zufrieden, 45 Prozent hingegen eher nicht/überhaupt nicht.
Auffällig ist die tiefe Geschlechterkluft: Männer geben häufiger an, zufrieden zu sein (53 Prozent), bei Frauen sind es 47 Prozent. Umgekehrt äußern Frauen häufiger Unzufriedenheit (47 Prozent) als Männer (43 Prozent). Der Unterschied passt zu einem Befund, der im Bericht ebenfalls angesprochen wird: Frauen liegen bei Pensionsansprüchen und den zu erwartenden Leistungen vielfach zurück – und fühlen sich entsprechend öfter finanziell bedroht.
Wie hoch die Pension später tatsächlich ausfallen wird, können viele schwer einschätzen – aber die Erwartung ist klar: Im Durchschnitt rechnen die Befragten mit 2.023 Euro brutto pro Monat. Allerdings konnten 39 Prozent dazu gar keine Angabe machen.
Dort, wo gerechnet wird, zeigt sich erneut eine deutliche Schere: Männer erwarten im Schnitt 2.254 Euro, Frauen 1.748 Euro. Vor allem bei Frauen lag der tatsächliche Wert – Stand 2024 – mit durchschnittlich 1.594 Euro klar unter diesen Erwartungen. Männer kamen hingegen bei ihren Schätzungen relativ nahe an den tatsächlichen Wert von 2.321 Euro brutto heran.
Trotz allem ist ein Trend eindeutig: Private Vorsorge nimmt zumindest in den Köpfen einen so hohen Stellenwert wie nie zuvor ein. In der Studie bewerten 90 Prozent das Thema finanzielle Vorsorge als sehr oder eher wichtig. Und: Die Menschen legen dafür tatsächlich Geld zur Seite. Im Schnitt sind es 225 Euro pro Monat für private Pensionsvorsorge.
Auch hier klafft die Lücke zwischen den Geschlechtern: Männer investieren durchschnittlich 265 Euro, Frauen 179 Euro monatlich. "Erfreulich ist auch, die Höhe des Betrages, den die Menschen im Schnitt pro Monat bereit sind, für ihre persönliche Pensionsvorsorge zu investieren", sagte Gerda Holzinger-Burgstaller, Chefin der Erste Bank Österreich. "Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau."
Bei den genutzten Spar-Varianten dominieren weiterhin Klassiker, auch wenn sich langsam etwas verschiebt. 51 Prozent setzen auf Sparkonto oder Sparbuch, 38 Prozent auf Lebensversicherungen. Wertpapiere sowie Fondssparpläne kommen auf je 25 Prozent, Bausparen liegt bei 24 Prozent. Gold bzw. Edelmetalle sind in Sachen Vorsorgeinstrumente für 17 Prozent, Immobilien für 16 Prozent ein Thema.
Gleichzeitig zeigt die Studie auch, dass ein großer Teil noch gar nicht vorgesorgt hat: 49 Prozent haben keine Pensions- oder Lebensversicherung abgeschlossen, nur 45 Prozent verfügen bereits über eine.
Fazit aus der jüngsten Vorsorgestudie ist jedenfalls: Private Vorsorge müsse, so Sonja Brandtmayer und Gerda Holzinger-Burgstaller, als echte dritte Säule deutlich ernster genommen und gestärkt werden – und sie benötige bessere Rahmenbedingungen wie zum Beispiel steuerliche Anreize und modernisierte Fördermodelle.