Armut steigt rasant

Pension reicht nicht – "Kein Geld für neue Schuhe"

Die Teuerungskrise hält an, der Druck auf viele Menschen steigt. Mindestpensionist Jakob H. erzählt, wie schwierig die Situation ist.
Hannah  Maier
14.11.2025, 05:30
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"Ohne die Le+O-Lebensmittelausgabe der Caritas wäre ich heute nicht mehr hier – ich könnte mir das Leben einfach nicht leisten", sagt Jakob H. mit Tränen in den Augen. Der 67-Jährige, einst Tischler, kam 2014 nach Wien. Eine schwere Zeit folgte: Obdachlosigkeit, Alkoholprobleme und gesundheitliche Rückschläge.

Eine Zeit lang lebte er von der Mindestsicherung – rund 900 Euro. Mittlerweile bekommt er die Mindestpension. Angesichts der anhaltenden Teuerung sei das zu wenig. "Ich habe Fixkosten von rund 1.200 Euro im Monat. Für das Auto fallen auch noch Kosten an. Das brauche ich aber aufgrund meiner Einschränkungen. Ungefähr 400 Euro bleiben mir im Monat übrig", rechnet der Wiener vor.

Einkauf im Supermarkt zu teuer

Der Pensionist wohnt auf rund 28 Quadratmetern im 10. Bezirk. Der Antrag auf Wohnbeihilfe wurde abgelehnt. Kosten für Strom und Heizung sind zuletzt gestiegen, erzählt er. Auch die Miete wurde erhöht. Der tägliche Einkauf von Lebensmitteln bereitet Jakob ständig Sorgen. "Es ist mittlerweile alles so teuer geworden. Es geht sich nicht mehr aus, ausschließlich im Supermarkt einkaufen zu gehen", erzählt der Wiener. Für Freizeit oder unerwartete Ausgaben bleibt kaum Geld übrig

Seit vielen Jahren holt er sich Hilfe bei der Caritas und kauft Lebensmittel in einer der insgesamt 15 Le+O-Ausgabestellen. Über das Angebot ist er dankbar: "Hier wird mir geholfen. Es geht mir besser. Ich konnte mir dank der Hilfe zuletzt neue Schuhe leisten oder mit meiner Frau einen Ausflug in die Berge machen", erzählt Jakob.

Zehntel kann laufende Ausgaben kaum decken

Jüngste Daten zeigen: Etwa ein Zehntel der Menschen in Österreich tut sich schwer, laufende Ausgaben zu decken. "Oft wird nicht nur bei Essen oder Haushalt gespart, sondern es müssen auch soziale Aktivitäten eingeschränkt werden. Ein Alarmsignal: Die Betroffenen haben in Folge oft nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesellschaft als Ganzes die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verloren", erklärt Christoph Hofinger, Foresight-Geschäftsführer.

In den Lebensmittelausgabestellen der Caritas ist die Nachfrage zuletzt gestiegen. Für einen Logistikbeitrag von 4 Euro erhalten Menschen hier Waren im Wert von knapp 40 Euro. 2023 wurden 8.282 Personen versorgt, heute sind es über 10.400 – das entspricht einem Plus von 26 Prozent.

Caritas baut Angebot aus

Ab sofort will die Caritas das Angebot ausweiten. 100 zusätzliche Haushalte pro Woche werden unterstützen. Unter der neuen Hotline 05/17 76 300 können Betroffene von Montag bis Freitag (9–13 Uhr) Informationen zur Registrierung und zu freien Terminen erhalten.

Caritas ruft zu Spenden auf

Wer helfen will, kann die Caritas-Lebensmittelhilfe mit einer Spende unterstützen. Mit 25 Euro finanzieren Sie ein Lebensmittelpaket. Mit 14 Euro schenken Sie eine Woche warmes Essen. Auch haltbare Lebensmittel wie Reis, Öl, Kaffee, Konserven, Zucker oder Salz werden dringend benötigt.

Spendenkonto:
Kontoinhaber: Caritas
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560

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