Seit Jahren hält sich ein Mode-Mythos hartnäckig: Längsstreifen strecken, Querstreifen tragen auf. Doch eine neue Studie aus Taiwan stellt diese Faustregel auf den Kopf – und zeigt, dass die Wahrheit deutlich komplizierter ist.
Forscher aus Taiwan haben untersucht, welche Streifenmuster den Körper tatsächlich schmaler erscheinen lassen. Das überraschende Ergebnis: Querstreifen können sogar den größeren Schlankmacher-Effekt haben.
Schon im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der deutsche Physiker Hermann von Helmholtz mit dieser optischen Täuschung. Seine Beobachtung: Ein Quadrat mit Querstreifen wirkt höher und schmaler als dasselbe Quadrat mit Längsstreifen. Diese sogenannte Helmholtz-Illusion wurde seither mehrfach bestätigt – allerdings nicht in jeder Untersuchung.
Warum die Ergebnisse bisher so unterschiedlich ausfielen, könnte nun geklärt sein.
Für die Studie fotografierten die Designforscher Tzu-Yu Chen und Li-Hsun Peng eine normalgewichtige Frau in einem eng anliegenden Stretchkleid mit unterschiedlichen Streifenmustern. Insgesamt bewerteten 241 Studierende zehn Varianten mit horizontalen und vertikalen Streifen in verschiedenen Breiten.
Das Ergebnis: Besonders schlank wirkte die Figur mit dünnen schwarzen Querstreifen auf weißem Hintergrund. Das ideale Verhältnis lag bei einem Zentimeter schwarzen zu zwei Zentimetern weißen Streifen.
„Mit zunehmender Streifenbreite verschwindet die Helmholtz-Illusion und damit der verschlankende Effekt.“
Wurden die schwarzen Streifen dagegen deutlich breiter, kehrte sich der Effekt um – die Figur erschien optisch breiter. "Mit zunehmender Streifenbreite verschwindet die Helmholtz-Illusion und damit der verschlankende Effekt", so das Fazit der Forschenden im Fachmagazin "i-Perception".
Auch Längsstreifen konnten punkten, allerdings nicht durchgehend. Je nach Blickwinkel wirkten unterschiedliche Muster am schlanksten. Von hinten überzeugten besonders schmale Streifen, von vorne schnitten mittelbreite Varianten besser ab.
Im direkten Vergleich lagen Querstreifen immer dann vorne, wenn die schwarzen Streifen schmaler waren als die weißen. Nur bei gleich breiten Streifen bevorzugte die Mehrheit das längsgestreifte Kleid.
"Der schlank machende Effekt gestreifter Kleidung wird durch Streifenrichtung, Streifenbreite und Streifenabstand beeinflusst", fassen die Forscher zusammen. Die Forscher betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse nur für die getesteten Streifenmuster gelten. Ob derselbe Effekt auch bei anderen Kleidungsstücken, unterschiedlichen Körperformen oder Männern und Frauen gleichermaßen auftritt, ist noch unklar. Auch kulturelle Unterschiede bei der Wahrnehmung könnten eine Rolle spielen.