Rangnick hatte vor dem Probegalopp gegen den Weltranglisten-164. vor 13.200 Fans in Linz ein "Qualifying" ausgerufen. Spieler, die sonst nicht zur ersten rot-weiß-roten Elf gehören, hatten die Chance, sich für mehr Einsatzzeit aufzudrängen. Das gelang allerdings keinem.
Der ÖFB-Teamchef ging mit der Innenverteidigung, gebildet aus Frankreich-Legionär Kevin Danso, der den Gegentreffer mit einem schlechten Pass Richtung Keeper Daniel Bachmann mitverursachte, und Freiburg-Abwehrspieler Philipp Lienhart, hart ins Gericht, kritisierte beide nach dem Schlusspfiff öffentlich. Das Duo musste in der Halbzeitpause in der Kabine bleiben. Auch der angeschlagen früh ausgetauschte Dejan Ljubicic oder Karim Onisiwo im Sturm blieben blass. Kapitän David Alaba, Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer mussten helfen, immerhin den Ausgleich zu erzielen.
Rangnick kritisierte auch Debütant David Schnegg. Der Sturm-Akteur war als Hoffnungsträger auf der linken Abwehrseite – eine ÖFB-Baustelle – ins Team geholt worden, überzeugte auch phasenweise. Rangnick störte sich allerdings an der Fitness des 24-Jährigen. "Mich hat es schon gewundert, dass er in den letzten 20 Minuten völlig platt war", prangerte der Teamchef die fehlende Ausdauer des Sturm-Graz-Kickers an. "Er ist 24 Jahre alt und sollte am Anfang einer Saison eigentlich voll im Saft stehen. So intensiv war das Spiel auch nicht, dass man da nicht 90 Minuten durchstehen kann", schoss der 65-Jährige scharf. Schnegg musste durchspielen, weil Rangnick zuvor bereits sechsmal getauscht hatte.
Die deutliche Kritik kam bei Schneggs Stammverein Sturm Graz gar nicht gut an. Coach Christian Ilzer verlangt laut "Kleiner Zeitung" nun Aufklärung vom heimischen Fußballverband und Teamchef Rangnick. "Uns interessiert es schon, warum Ralf Rangnick diese Aussage tätigt. Wir wollen das durch Zahlen begründet bekommen", wurde der Coach des Bundesliga-Vizemeisters zitiert.
Daten werden die Steirer nach dem Ende des Lehrgangs erhalten. "Und dann muss man sehen, ob er nicht in den ersten 60 Minuten doppelt so viel gelaufen ist wie der rechte Außenverteidiger. Vielleicht ist er drübergegangen, weil er sich ausgepumpt hat. Pauschalaussagen reichen mir in der Hinsicht nicht aus", so Ilzer.
Klar ist aber auch: Rangnick brachte sich mit der Aufstellung des zweiten Anzugs und nicht zuletzt fünf Wechsel vor beziehungsweise innerhalb der Halbzeitpause selbst in Bedrängnis. Nach dem finalen Tausch in der 62. Minute konnte der Teamchef nicht mehr reagieren.
Am Dienstag steigt in Stockholm jedenfalls das richtungsweisende EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden. Wer links hinten verteidigt? Offen...