Die Beurlaubung von Admira-Coach Toni Polster nach nur drei Runden offenbarte die chaotischen Zustände im Süden Wiens. Präsident und Manager wurden entmachtet. Eine Gruppe rund um Spediteur Karl Cermak veranlasste den Trainerwechsel und will den Verein übernehmen.
nach nur drei Runden offenbarte die chaotischen Zustände im Süden Wiens. Präsident und Manager wurden entmachtet. Eine Gruppe rund um Spediteur Karl Cermak veranlasste den Trainerwechsel und will den Verein übernehmen.
Es gab natürlich schon schnellere Trainerwechsel in der Bundesliga-Geschichte. Georg Zellhofer beispielsweise verließ 2008 noch während der Saisonvorbereitung die SV Ried, ohne je ein Pflichtspiel auf der Bank erlebt zu haben. Dennoch ist es eine außergewöhnliche Situation.
Zwar verloren die Admiraner die ersten drei Saisonpartien - in Grödig sogar ziemlich deutlich mit 1:7 - doch waren sich fast alle Beobachter einig, dass im Endeffekt Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben hatten und man den jungen Südstädtern einfach nur Zeit geben brauche. Zudem wurde mit Markus Katzer ein Routinier für die Abwehr verpflichtet. "Der Trainerwechsel war nicht notwendig", fand auch Admira-Kapitän Richard Windbichler.
Neue Gruppe übernimmt das Ruder
Von Feuer am Dach konnte keine Rede sein, doch die Aussagen der Vereinsverantwortlichen lassen unreflektiert darauf schließen, dass die Trenkwalder Arena in Vollbrand stand. Manager Alexander Friedl stellte sich vor die Kameras und erklärte, dass das 1:7 in Grödig Entscheidungsgrundlage war. Hohe Niederlagen haben schon etliche Trainersesselbeine durchgesägt, aber schon nach drei Runden? Da kann das Holz diesmal nicht besonders dick gewesen sein.
Friedl predigte von Mikrofon zu Mikrofon schreitend die einstudierten Sätze herunter, dann aber kam doch eine Aussage, die ins Herz des Klubs blicken lässt. Und dieses steht vor einer Transplantation. "Die Ablöse von Toni Polster erfolgte auch auf Empfehlung der Gruppe, die den Verein vielleicht übernehmen möchte", so der Manager. Einen Namen nannte er nicht.
APA-Recherchen ergaben, dass es diese Gruppe wirklich gibt und Karl Cermak, Geschäftsführer der in Wiener Neudorf ansässigen Spedition Trailfracht, die seit längerem als Admira-Sponsor fungiert, führt diese an. Er bestätigte das Vorhaben: "Die Sondierungsgespräche laufen. Ziel dieser Gruppe ist es, den Verein in Zukunft zu übernehmen." Präsident Richard Trenkwalder, der seit 2008 an der Spitze steht, gilt seit längerer Zeit als amtsmüde und fuhr seine Sponsoraktivitäten kontinuierlich nach unten.
Cermak-Gruppe traf Trainerentscheidung
Die Cermak-Gruppe hat allerdings schon mehr Macht, als man offiziell zugeben will. Sie mischt in Personalangelegenheiten bereits kräftig mit - Manager Friedl scheint nur noch eine Marionette zu sein. Bestellung und Beurlaubung von Polster gingen auf das Konto der Gruppe.
Cermak macht kein Geheimnis daraus, dass er die Verantwortung für das für Außenstehende seltsam wirkende Vorgehen - die Beurlaubung Polsters erfolgte nur Stunden vor dem Ankick - trägt. "Polsters Abgang war auch für mich eine bittere Niederlage, ein Eingeständnis, dass ich einen Fehler gemacht habe. Aber man darf nicht stur an etwas festhalten, sonst ist man ein Trottel. Und jeder Punkt kann am Ende im Kampf um den Klassenerhalt entscheidend sein."
Polster sei "ein unglückliches Opfer, aber es zählt nur die Admira in diesem Fall. Wir haben eine moralische Verpflichtung dem Verein gegenüber, wenn Leute antreten, diesen Club in die Zukunft zu führen. Und vor allem haben wir auch eine Verantwortung gegenüber unserer Akademie. Unser Ziele sind der Klassenerhalt und die Rettung der Akademie. Es zählt nur der Verein und das Leben des Vereins", bekräftigte der ehemalige Regionalliga-Kicker, der auch ein Jahr in der zweithöchsten heimischen Spielklasse aktiv war.
Hat man überhaupt vorher mit Polster gesprochen?
In Sachen Vereinsführung hat aber auch Cermak noch Nachholbedarf. Mit Polster dürfte man nämlich offenbar vor der Verpflichtung nicht gerade ausführlich über die gemeinsame Zusammenarbeit gesprochen haben. Der ÖFB-Rekordtorschütze wollte unbedingt sein eigenes Spielsystem in der Südstadt durchsetzen und dürfte dabei wenig kompromissbereit gewesen sein.
"Wir haben nicht das Spielermaterial dafür gehabt. Wir müssen das System spielen, für das wir die Mannschaft haben. Das System richtet sich nach der jeweiligen Situation, also Gegner und Spieler, die ich zur Verfügung habe", sprach Cermak über eine Angelegenheit, die man mit einem Trainerkandidaten eigentlich im Vorfeld klären sollte.
"1.000 Tode gestorben"
Das war ein "erster Schritt aus der Verunsicherung heraus. Uns haben acht Leute gefehlt, darunter die gesamte Abwehr samt Tormann. Keiner hätte uns vor diesem Spiel einen Punkt zugetraut. Und wir sind 1.000 Tode gestorben nach fünf Minuten", so Cermak zur Samstagspartie, die noch mit einem glücklichen 1:1 und dem ersten Punktgewinn endete. Die Mannschaft habe dann aber die alten Tugenden gezeigt, "sich den Arsch aufgerissen" und am Ende etwas erreicht, auf das man aufbauen könne.