Ein südkoreanisches Gericht hat den ehemaligen Präsidenten Yoon Suk Yeol zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wird zur Last gelegt, im Oktober 2024 eine Drohnenoperation gegen Nordkorea angeordnet zu haben.
Staatsanwälte warfen Yoon vor, mit dieser Aktion Provokationen auszulösen und einen Vorwand für den später gescheiterten Versuch der Verhängung des Kriegsrechts zu schaffen. Yoon hatte im Dezember 2024 das Kriegsrecht verhängt, angeblich um das Land vor 'staatsfeindlichen' Kräften zu schützen.
Das Gericht stellte fest, dass Yoon aus innenpolitischen Gründen handelte und die Maßnahme nach massiven Protesten wieder zurücknahm. Yoon wurde bereits zuvor wegen Aufruhrs zu lebenslanger Haft verurteilt.
Neben Yoon wurden weitere ranghohe Militärs verurteilt: Der ehemalige Verteidigungsminister Kim Yong-hyun erhielt ebenfalls 30 Jahre Haft, Yeo In-hyung, Ex-Chef des militärischen Abwehrdienstes, 15 Jahre und Kim Yong-dae, ehemaliger Leiter der Drohnenoperationen, drei Jahre mit fünf Jahren Bewährungszeit.
Das Gericht erklärte, die Verantwortlichen hätten unter dem Deckmantel einer Militäraktion gezielt provoziert und damit das Risiko eines militärischen Konflikts erhöht. Yoon trage dabei die größte Verantwortung.
Yoons Verteidigung argumentierte, seine Maßnahmen seien eine legitime Reaktion auf nordkoreanische Ballon-Angriffe gewesen. 2024 hatte Nordkorea Hunderte Ballons mit Abfall und Schmutz über die Grenze geschickt.
Der Einsatz von Propaganda-Ballons hat in beiden Ländern Tradition. Die Lage eskalierte, als Nordkorea Südkorea beschuldigte, Drohnen mit Flugblättern nach Pjöngjang geschickt zu haben. Laut Urteil habe Yoon mit dem Drohnenflug eine Reaktion des Nordens provozieren wollen.
Neben dem Aufruhrverfahren wurde Yoon auch wegen Machtmissbrauchs und Behinderung seiner eigenen Festnahme zu weiteren fünf Jahren Haft verurteilt. Die chaotischen Monate nach dem Kriegsrechtsversuch endeten schließlich mit einem Wahlsieg der oppositionellen Demokratischen Partei unter Lee Jae-myung.