Ein gefährliches Klima-Phänomen rückt näher: Die Wahrscheinlichkeit für ein besonders starkes "El Niño"-Ereignis - genannt "Super El Niño" - ist zuletzt deutlich gestiegen. Noch im März lag die Chance für ein besonders heftiges Ereignis bei rund 20 Prozent ("Heute" berichtete) - inzwischen halten Experten ein deutlich realistischeres Szenario für möglich.
Laut Daten der US-Klimabehörde NOAA dürfte sich ein klassischer "El Niño" (dt. der Bub oder Christkind) zwischen Juni und August mit rund 62-prozentiger Wahrscheinlichkeit entwickeln. Dabei erwärmt sich ein Teil des Pazifiks ungewöhnlich stark - mit teils drastischen Folgen für das Wetter rund um den Globus bis Jahresende.
Eine offizielle Kategorie ist der "Super El Niño" zwar nicht, doch Fachleute verwenden den Begriff für besonders intensive Ereignisse. Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif schätzt die Chancen laut Agenturberichten aktuell auf etwa 50:50.
Fest steht aber schon jetzt: Im Pazifik steckt bereits sehr viel Energie - in den oberen Wasserschichten hat sich viel Wärme angesammelt. Ob sich daraus tatsächlich ein extremes Ereignis entwickelt, hängt davon ab, wie sich die Winde in den kommenden Monaten verhalten.
Die möglichen Folgen eines "Super El Niño" sind gewaltig. In Südamerika drohen heftige Regenfälle und Überschwemmungen, während in Teilen Asiens und Australiens Dürren und Waldbrände wahrscheinlicher werden. Auch Ostafrika könnte stärker von Starkregen betroffen sein, heißt es weiter.
Für Österreich und Mitteleuropa bleibt die Lage unsicher. Der direkte Einfluss ist laut Experten meist gering. Wenn überhaupt, rufe El Niño mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Situation hervor, "die eher kaltes und nasses Wetter zu uns bringt", sagt Daniela Domeisen von der ETH Zürich. In Südeuropa könnte der "Bub" zusätzliche Hitzewellen bringen.
Auch indirekt könnten die Auswirkungen spürbar werden - etwa über steigende Rohstoffpreise. Schlechte Ernten in betroffenen Regionen treiben oft die Kosten für Kaffee, Kakao oder Zucker nach oben.
Klar ist auch: Der globale Klimawandel verstärkt die ohnehin gefährliche Situation: Selbst ohne "El Niño" bewegen sich die globalen Temperaturen bereits auf Rekordniveau. Kommt das gefürchtete Phänomen dazu, könnte es die Hitze weltweit weiter anheizen. Fakt ist: Ob "Super El Niño" oder nicht - eine Wetter-Achterbahn ist heuer wohl programmiert.