Mit dem Heimvorteil im Rücken wollen Österreichs Ski-Herren am Mittwoch (11.00 Uhr) im WM-Super-G in Schladming eine zehnjährige Durststrecke beenden. Seit dem Double von Stephan Eberharter (Super-G) und Michael Walchhofer (Abfahrt) 2003 in St. Moritz hat es für Rot-Weiß-Rot keine WM-Goldene in einem Speed-Bewerb gegeben. Doch auch am Renntag werden sich die Athleten gedulden müssen, die Wetterprognose verheißt nichts Gutes.
Der Super-G der Herren sollte laut FIS-Herren-Renndirektor Günter Hujara spätestens am frühen Nachmittag über die Bühne gebracht werden können. Denn bis dahin soll eine deutliche Wetterverbesserung eingetreten sein. Die erste Verschiebung könnte schon in den frühen Morgenstunden beschlossen werden. Denn offensichtlich setzt man auf die Option, dass das Wetter im Laufe des Tages deutlich freundlicher wird. "Es wird besser, das sagt uns die Prognose. Die Situation verbessert sich Richtung Nachmittag", berichtete Hujara.
Vier ÖSV-Asse - ein Ziel
Für WM-Gold müssen die vier ÖSV-Asse Matthias Mayer (Startnummer 16), Hannes Reichelt (19), Georg Streitberger (12) und Romed Baumann (13) aber vor allem an Aksel Lund Svindal vorbei. Der Norweger geht als Topfavorit in den ersten Herren-Bewerb in Schladming. Cool und abgebrüht ist der erst 22-jährige Mayer am 25. Jänner bei der WM-Generalprobe in Kitzbühel auf Rang zwei hinter Svindal gerast. "Kitz war lässig, ich hatte eine Riesenfreude beim Fahren. Genauso cool werde ich auch in mein erstes WM-Rennen gehen", versprach Mayer.
Mayer für Klammer Medaillenfavorit
Spätestens seit Kitz hat sich Mayer zu einem echten Medaillentipp gemausert. "Ich hatte bisher eine konstante Saison. Natürlich will ich an diese Konstanz anschließen, dann ist wieder ein gutes Ergebnis möglich", sagte der bis dato beste ÖSV-Super-G-Pilot in dieser Saison (Rang drei im Weltcup). Dass ihn sogar sein berühmter Kärntner Landsmann Franz Klammer als heißen Edelmetall-Anwärter handelt, bringt Mayer zum Schmunzeln "und freut mich natürlich". "Aber ich bin kein Topfavorit, und auch kein Geheimfavorit. Ich würde mich als Jäger bezeichnen, der den Favoriten ein Dorn im Auge sein kann."
Spezielle Tipps von seinem Papa Helmut, der 1988 Olympia-Silber im Super-G und 1989 WM-Silber im Riesentorlauf gewann, holt sich der Junior nicht. "Das Skifahren hat sich seitdem stark verändert. Ich hab das alleine gut im Griff, das Rennen muss ich ja auch alleine fahren", berichtete Mayer. Den großen Favoriten Svindal sieht Mayer an einem guten Tag durchaus in Reichweite. "In Gröden war er in einer eigenen Liga unterwegs. In Kitz hat mir nicht viel auf ihn gefehlt. Es ist die Frage, welches Gesicht Svindal am Mittwoch zeigt."
Streitberger überzeugte in Quali
Wie Mayer gibt auch der um neun Jahre ältere Streitberger sein WM-Debüt. Der Salzburger war in dieser Saison bisher meist nur "Trainingsweltmeister" gewesen, in den Rennen schlich sich dann stets "ein blöder Fehler zu viel" ein. Am vergangenen Freitag war Streitberger aber da, als es um die berühmte Wurst ging. Bei der ÖSV-Qualifikation knallte Streitberger in drei Läufer dreimal Bestzeit hin.
Nun überlegt Streitberger, ob er in die knallgelbe Glücks-Thermounterwäsche von der Turracher Höhe auch am Mittwoch schlüpfen soll. "Ich möchte die Rennsau auspacken, darf aber auf keinen Fall zu viel wollen", nahm sich Streitberger vor.
Welcher Ski bei diesen Bedingungen?
Reichelt ist der einzige aus dem Quartett, der schon eine WM-Einzelmedaille daheim hängen hat. Der 32-Jährige war 2011 im WM-Super-G Zweiter hinter dem Italiener Christof Innerhofer gewesen. Zwei Jahre später kündigt sich nach den starken Schnee- und Regenfällen der vergangenen Tage eine echte Materialschlacht an.
"Die richtige Skiwahl wird unglaublich wichtig sein. Die Servicemänner sind mehr gefragt denn je. Wenn der Ski rennt, ist das da die halbe Miete. Wenn nicht, kriegst eine brutale 'Tätschn'", kündigte Reichelt an. Sein Vertrauen in seinen Radstädter Servicemann Siegfried Scheiber ist groß. "Wir schauen immer, was ich spüre und was seine Erfahrung sagt. Und dann entscheiden wir. Wenn es passt, gehört diesmal die halbe Medaille sicher ihm."
Baumann noch ohne WM-Medaille
Auch Baumann hat schon eine WM-Silberne, allerdings "nur" die vom Teambewerb 2011. In Einzelbewerben hat der Tiroler bei Großereignissen die Plätze 4 bis 8 allesamt zu bieten, nur ein Stockerlplatz fehlt ihm noch. "Es war halt immer ein blöder Fehler dabei, das darf mir nicht mehr passieren. Dann bin ich gefährlich und kann um eine Medaille mitmischen", meinte Baumann, der so wie Streitberger über die Quali den Sprung ins Super-G-Team geschafft hat.
Der 27-Jährige denkt auch schon an die bevorstehende ÖSV-Quali für die Abfahrt: "So wie ich mich jetzt fühle, traue ich mir auch in der Abfahrt die Quali zu." In Norwegen spekuliert man mit Svindal-Festspielen in der Steiermark. Die Zeitung "Aftenposten" rechnete sogar vor, dass der 30-Jährige mit Gold in Super-G, Abfahrt und Super-Kombination zum Tiroler WM-Allzeit-Leader Toni Sailer (sieben Mal Gold) aufschließen könnte.
Svindal geht es locker an
"Andere gehen mit mehr Druck in die WM als ich", meinte Svindal in Richtung der ÖSV-Hausherren. "Die Rolle des Favoriten ist doch ein positiver Stempel. Das gibt zusätzliche Energie und zusätzliches Adrenalin", berichtete der vierfache Weltmeister.
APA/Red