Seit Jahren hält sich hartnäckig das Vorurteil, der ESC sei längst nur noch eine Bühne für queere Botschaften und progressive Statements. Vor allem nach dem Triumph von Conchita Wurst wurde von konservativer Seite immer wieder behauptet, man müsse inzwischen queer sein, um beim "Song Contest" überhaupt noch Chancen zu haben.
Ein Blick auf den diesjährigen Bewerb zeigt allerdings ein völlig anderes Bild: Von Pop bis Metal, von glamourös bis schrill, von minimalistischen Auftritten bis zu bombastischen Shows ist alles vertreten – LGBTQIA steht hier nirgends im Fokus der Auftritte. Die Künstler setzen viel mehr auf Musik, Performance und Persönlichkeit – nicht darauf, ihre sexuelle Orientierung ins Zentrum zu stellen.
Dennoch empfinden den Wettbewerb viele als "zu woke". Gerechtfertigt? Genau dieses Thema greift man am Donnerstag gezielt mit einem Einspieler im zweiten Halbfinale auf. Während 15 Acts um den Einzug ins Finale kämpfen, räumt die Live-Show gleichzeitig mit einem weitverbreiteten Mythos auf.
Im Beitrag wird erklärt, dass von den Hunderten Musikerinnen und Musikern, die in den vergangenen 70 Jahren auf der ESC-Bühne standen, lediglich acht öffentlich geoutet sind und offiziell zur LGBTQIA+-Community zählen. Außer ihnen hat bisher niemand der vielen Teilnehmer ein Statement zum Thema gemacht.
Eine Zahl, die manche Kritiker nun aufklärt und damit verstummen lassen dürfte. Moderatorin Victoria Swarovski bringt es im Einspieler außerdem mit einem klaren Wunsch auf den Punkt: Man solle die Buchstaben "LGBTQIA+" irgendwann vielleicht überhaupt durch ein einziges "H" ersetzen – "H for human", erklärt sie auf Englisch und appelliert hier auf ein Miteinander und Menschlichkeit. Für sie sollte nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch selbst.
Ausgerechnet dieses Statement wurde allerdings im ORF nicht gezeigt. Stattdessen schaltete man zur Werbung. Der Clip wurde in der Wiener Stadthalle auf den Bildschirmen gezeigt und auch in anderen Ländern gezeigt.