Wien rüstet sich für den großen "ESC"-Knall: Zwischen 12. bis 16. Mai 2026 findet in der Stadthalle die 70. Jubiläumsausgabe des Musikwettbewerbs statt. Nach JJs Sieg in Basel wird Österreich heuer ganz klar im "Song Contest"-Ausnahmezustand sein.
Doch mitten in Glitzer und Pop taucht auch 2026 wieder die Frage auf: Warum fehlt Russland eigentlich beim "ESC"?
Russland ist seit 2022 vom "Eurovision Song Contest" ausgeschlossen. Der Schritt wurde von der EBU infolge der Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine beschlossen. Die EBU erklärte damals ganz offen in einem offiziellen Statement: "Die European Broadcasting Union (EBU) hat angekündigt, dass kein russischer Act am diesjährigen Eurovision Song Contest teilnehmen wird."
Außerdem betonte die Organisation: "Die Entscheidung spiegelt die Besorgnis wider, dass angesichts der beispiellosen Krise in der Ukraine die Teilnahme eines russischen Beitrags am diesjährigen Wettbewerb dem Ansehen des Wettbewerbs schaden würde."
Man wies außerdem darauf hin, die EBU eine Mitgliederorganisation von Rundfunkanstalten ist, die unpolitisch berichten und sich der Wahrung der Werte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verpflichtet haben.
Kurz darauf wurden auch russische Mitgliedssender in EBU-Gremien suspendiert: "Der EBU-Vorstand hat angesichts der laufenden Ereignisse in der Ukraine beschlossen, Vertreter seiner drei russischen Mitglieder (RTR, Channel One und RDO) von der Mitarbeit in seinen Governance-Gruppen, einschließlich des Vorstands und aller Statutory Committees, zu suspendieren."
Russland war jahrelang beim "ESC" extrem präsent und nahm den Wettbewerb sehr ernst. Dennoch gab es vor allem im Zuge von Conchita Wursts Teilnahme 2014 auch heftige Kritik und Ablehnung, insbesondere von konservativen Politikern.
Diese warfen dem Wettbewerb zunehmend vor, nicht mehr nur ein Musikformat zu sein, sondern westliche "liberale" Werte zu propagieren und bewusst gesellschaftspolitische Botschaften zu setzen. Conchitas Auftritt wurde dabei als Symbol für eine aus russisch-konservativer Sicht "unnatürliche" Gender- und LGBT-Ideologie gedeutet, die man als Angriff auf traditionelle Familie und Moral verstand.
Ironischerweise schickte ausgerechnet Russland selbst 2003 das berühmte Duo "t.A.T.u." zum Contest, das sich auf der Bühne medienwirksam als lesbisches Paar inszenierte. Streicheleinheiten und Küsse waren damals Teil der PR-Strategie sowie ihrer Shows – ein reiner Marketing-Gag, um international für Aufsehen zu sorgen.
2008 gewann man mit Dima Bilan und dem Song "Believe". Anders als in den meisten Ländern, schickte Russland meist nationale Topstars wie Sergey Lazarev oder Polina Gagarina, statt auf unbekannte Newcomer zu setzen.
Nach dem Ausschluss setzte Russland 2025 auf einen eigenen Gegenbewerb: den "Intervision Song Contest", der im September 2025 stattfand und von Đức Phúc aus Vietnam mit "Phù Đổng Thiên Vương" gewonnen wurde.