An der Tankstelle zu stehen, tut deutschen Autofahrern derzeit besonders weh. Seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten sind die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland im Schnitt rund doppelt so stark gestiegen wie in anderen EU-Mitgliedstaaten.
Der Liter Benzin kostet mittlerweile rund 2,08 Euro - nur in den Niederlanden zahlen Autofahrer noch mehr. Super ist um 14 Prozent teurer geworden, beim Diesel sind es sogar 25 Prozent.
Laut chip.de, das sich auf die französische Zeitung "France Bleu" beruft, ist Deutschland damit das europäische Land mit dem stärksten Preisanstieg. Auch die EU-Kommission nennt in ihrem wöchentlichen Öl-Bulletin Deutschland, die Niederlande, Dänemark und Finnland als Länder mit besonders steilen Anstiegen.
Ein wichtiger Grund für das hohe Niveau an der Zapfsäule sind nationale Steuern und Abgaben. Deutschland erhebt traditionell hohe Energiesteuern und CO₂-Aufschläge auf fossile Kraftstoffe, was Preissprünge am Rohölmarkt stärker durchschlagen lässt.
Die Bundesregierung hat deshalb bereits Mitte März ein Maßnahmenpaket vorgestellt: Teile der nationalen Erdölreserve werden freigegeben und Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal pro Tag - jeweils mittags - anheben. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro.
Das neue deutsche Modell orientiert sich an Österreich, wo eine solche Regelung seit rund 15 Jahren gilt. Allerdings wurde sie dort nie als Preisbremse eingeführt, sondern um Transparenz für die Autofahrer zu schaffen.
Zusätzlich will die Bundeswirtschaftsministerin die Aufsicht über den Kraftstoffmarkt verschärfen. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Mineralölunternehmen bei Verdacht auf missbräuchliche Preissetzung künftig selbst belegen müssen, "rechtmäßig" gehandelt zu haben.