Tankstellen-Chefin:

"Wir werden beschimpft. Jeder lässt Unmut an uns aus!"

Hohe Spritpreise sorgen für Frust bei Autofahrern - den Ärger bekommen laut Betreibern immer öfter die Tankstellen ab.
André Wilding
13.03.2026, 11:22
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Die Zapfsäule wird für viele Autofahrer derzeit zur Geduldsprobe. Wegen gestiegener Treibstoffpreise lassen manche ihren Frust direkt an den Tankstellen aus - und zwar bei jenen, die dafür am wenigsten können.

Theresia Mitterbauer betreibt eine Tankstelle im oberösterreichischen Handenberg und schildert, wie angespannt die Situation geworden ist. "Wir sind hinter der Theke an der Front. Jeder lässt seinen Unmut an uns aus, obwohl wir überhaupt nichts dafür können. Teilweise werden wir schon wüst beschimpft. Die Kunden sollten sich bei der Regierung beschweren, nicht bei uns", erklärt Mitterbauer der "Kronen Zeitung".

"Ich spiele den Ball zum Staat"

Auch Franz Streissenberger, der eine Tankstelle in Geiersberg führt, kennt diese Reaktionen. "Aber wenn die Kunden es sich erklären lassen, gehen 90 Prozent von ihnen raus und wissen, warum. Ich spiele den Ball zum Staat, wo er auch hingehört", sagt er der "Krone". Viele Beschwerden seien letztlich "Jammern auf hohem Niveau", weil die Preise in Deutschland noch stärker gestiegen seien.

Tatsächlich ist Tanken im Nachbarland teurer. Deutschland hebt auf einen Liter Benzin um 17 Cent mehr Mineralölsteuer ein als Österreich.

Diese Unterschiede führen derzeit zu kuriosen Effekten entlang der Grenzen. Während im Innviertel vermehrt Deutsche über die Grenze fahren, um günstiger zu tanken, passiert im Mühlviertel das Gegenteil: Dort weichen viele Autofahrer nach Tschechien aus.

"Das ist existenzbedrohend für mich"

Die Tankstellen im Innviertel profitieren davon deutlich. Betreiberin Mitterbauer berichtet etwa, dass sie rund eineinhalbmal so viel Treibstoff verkauft wie noch vor Ausbruch des Krieges, heißt es in der Tageszeitung.

Ganz anders sieht es im Mühlviertel aus. Dort sind Benzin und Diesel in Tschechien um rund 20 bis 30 Cent pro Liter billiger. Viele Autofahrer fahren deshalb zum Tanken über die Grenze. Leo Anzinger, Betreiber einer Tankstelle in Windhag bei Freistadt, sagt zur "Krone": "Wir haben zwei Drittel des Umsatzes verloren. Das ist existenzbedrohend für mich."

Zusätzliche Diskussionen sorgt auch eine neue Regel der Bundesregierung: Tankstellen dürfen ihre Preise künftig nur mehr montags, mittwochs und freitags erhöhen.

"Es ist völlig absurd"

Für Bernd Zierhut, Obmann des Energiehandels in Oberösterreich, ist das ein "dreister Eingriff in die freie Marktwirtschaft." Er kritisiert in der "Krone" vor allem die unterschiedliche Dynamik bei den Preisen: "Es ist völlig absurd, dass es jeden Tag einen neuen Raffinerie-Abgabepreis gibt, Tankstellen aber nur jeden zweiten Tag adjustieren dürfen."

Während Autofahrer über hohe Preise schimpfen, geraten ausgerechnet jene zwischen die Fronten, die den Sprit nur verkaufen - nicht festlegen.

{title && {title} } wil, {title && {title} } Akt. 13.03.2026, 11:25, 13.03.2026, 11:22
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