Er ist Österreichs Nummer zwei, seine Formkurve zeigt nach oben und trotzdem gilt er als "Hassfigur": Daniel Köllerer soll nicht in den Kader für das Tennis-Davis-Cup-Match gegen Chile, fordern Jürgen Melzer und Stefan Koubek. Der 25-jährige Welser war in der Vergangenheit immer wieder durch seine Wutausbrüche aufgefallen - und er soll Melzers Mutter beleidigt haben.
"Du musst mal in die Garderobe reingehen. Da schauen 25 Spieler zu und freuen sich, wenn der Massu gewinnt. Die haben aber mit dem Massu nichts am Hut", sagte Jürgen Melzer nach der Auftaktniederlage von Daniel Köllerer gegen den Chilenen Nicolas Massu. Die Aussage des Tennis-Ass zeigt, wie tief die Gräben in Österreichs Davis-Cup-Team derzeit sind. Niemand will an der Seite Köllerers gegen Chile antreten - obwohl der Oberösterreicher (25) heuer in die Top 80 der ATP-Liste vorstoßen konnte.
Schaller in der Zwickmühle
Köllerer zählt zweifellos zu den größten Tennis-Talenten in Österreich. Zudem zeigt seine Formkurve heuer nach oben. Allerdings hat der Welser, der "Jesus walks with me" auf seinen Bauch tätowiert hat, ein gewisses Problem mit seinem Temprament. Läuft es auf dem Court nicht so rund, lässt Köllerer schon mal Schimpftiraden los - gegen Gegenspieler, mitunter aber auch gegen Balljungen. Zwei mal schon wurde der gefürchtete Zertrümmerer von Rackets von der ATP gesperrt, zuletzt musste er 2006 ein halbes Jahr lang zwangsweise pausieren. Teamkapitän Gilbert Schaller steckt in der Zwickmühle: Einerseits will er die besten Spieler zum Ländervergleich gegen Chile mitnehmen. Andrerseits haben sogar österreichische Spieler Petitionen mit der Forderung nach einer Sperre von "Crazy Dani" unterschrieben.
Vermittlungsversuch
Schaller will seine Mannschaft nun an einen Tisch mit Köllerer bringen. "Wir haben noch ein wenig Zeit, aber eines ist auch klar: Ich werde sicher nicht mit dem Daniel Köllerer und drei Spielern, die nicht besser als 300 platziert sind, zum Davis-Cup fahren. Ich will das beste Team dorthin bringen", sagt der ehemalige Topspieler.
Köllerer sucht Gespräch
Auch Köllerer selbst sucht das Gespräch: "Man sollte sich an einen Tisch setzen. Ich rede seit drei Jahren davon, dass ich für mein Land spielen möchte, und bin bereit, nach Chile mitzufliegen." Ob Reden etwas bringt, ist aber höchst unwahrscheinlich. Melzer ist sauer, weil Köllerer seine Mutter beschimpft haben soll. Und Stefan Koubek findet harte Worte: "Ich möchte mit dem Köllerer nicht in einem Team sein. Der ist so verhasst von allen. Keiner will mit ihm trainieren, keiner will mit ihm essen gehen, keiner braucht ihn, keiner will ihn sehen. Wir fahren doch nicht nach Chile, um einen eine Woche lang zu hassen, das raubt dir Energie."