Die Angreifer fielen nach Angaben von Augenzeugen in der Nacht auf Sonntag auf Motorrädern in das Dorf Kasuwar Daji im Bundesstaat Zamfara ein. Zuvor attackierten sie einen nahegelegenen Militärstützpunkt, stahlen Waffen und setzten ein Armeefahrzeug in Brand. Anschließend zogen die Bewaffneten durch das Dorf und verschleppten zahlreiche Bewohner.
Einem Dorfbewohner zufolge, hätten die Angreifer anfangs mehr als 100 Menschen mitgenommen. Wenig später hätten sie aber einen Teil wieder freigelassen. Die zwölfjährige Tochter eines Dorfbewohners befinde sich jedoch noch immer in der Gewalt der Entführer.
Ein weiterer Bewohner erzählte, dass die Kriminellen systematisch von Haus zu Haus gegangen seien. Zwei der Verschleppten seien seine Schwiegertöchter und andere zwei Mädchen im Teenageralter wiederum seien aus seiner Familie. Beide Dorfbewohner sagten, dass 52 Menschen entführt worden seien.
Nach Angaben der Armee konnten die Soldaten den Angriff auf die Militärbasis zwar abwehren, dennoch kamen ein Soldat und ein Polizist ums Leben. Die Behörden machten bewaffnete Gruppen, die von der Regierung als "Terroristen" bezeichnet werden, für die Attacke verantwortlich.
Fast zeitgleich wurde auch das Dorf Sabon Birni im benachbarten Bundesstaat Sokoto angegriffen. Dort wurden laut Bewohnern elf Menschen getötet.
Entführungen gehören im Nordwesten Nigerias seit Jahren zum Geschäftsmodell bewaffneter Banden. Immer wieder werden Dorfbewohner verschleppt und erst nach Zahlung hoher Lösegelder freigelassen.
Nach Angaben des Beratungsunternehmens SBM Intelligence nahmen kriminelle Gruppen zwischen Juli 2024 und Juni 2025 umgerechnet rund 1,44 Millionen Euro an Lösegeldern ein. Für viele der Banden ist die Entführung von Menschen mittlerweile eine der wichtigsten Einnahmequellen.