Die anhaltende Rekorddürre bringt Ungarns Stromversorgung an ihre Grenzen. Weil das einzige Atomkraftwerk des Landes wegen des historisch niedrigen Wasserstands der Donau vollständig abgeschaltet werden muss, greift die Regierung zu drastischen Maßnahmen.
Für die ersten drei Tage der Woche gilt in der Staatsverwaltung - sofern es der Dienstbetrieb zulässt - Homeoffice. Auch Unternehmen der Privatwirtschaft werden ersucht, ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen und Strom zu sparen. Zusätzlich wurde die Beleuchtung staatlicher Gebäude abgeschaltet. Städte und Gemeinden sollen ebenfalls den Energieverbrauch so weit wie möglich senken.
Das Atomkraftwerk Paks, rund 130 Kilometer südlich von Budapest, deckt mit einer Nennleistung von 2.000 Megawatt normalerweise etwa 45 Prozent des Strombedarfs Ungarns. Weil die vier Reaktoren mit Wasser aus der Donau gekühlt werden und der Pegel des Flusses auf einen historischen Tiefstand gefallen ist, muss die Anlage früher als geplant heruntergefahren werden.
Am Montag sollte das Kraftwerk erstmals seit seiner Inbetriebnahme vor 44 Jahren vollständig stillstehen. Eigentlich war die Abschaltung erst für Dienstag oder Mittwoch vorgesehen. Der Betreiber bezeichnete den Schritt als unvermeidlich. Schon davor wurden schrittweise die übrigen drei Reaktoren heruntergefahren. In einem Facebook-Beitrag teilte Ministerpräsident Peter Magyar am Montag jedoch mit, dass das AKW doch noch etwas länger am Netz bleiben könne – eventuell noch bis Dienstag.
Magyar rief die Bevölkerung auf, möglichst sparsam mit Strom umzugehen. Die wegfallende Produktion des AKW muss nun durch Einsparungen und zusätzliche Stromimporte ersetzt werden. Nach Regierungsangaben könnten dadurch Mehrkosten von bis zu 550 Millionen Euro entstehen.
Bereits in Kraft ist eine Verordnung, wonach große Industriebetriebe notfalls vorübergehend vom Stromnetz getrennt werden können, wenn sie ihren Verbrauch nicht ausreichend reduzieren. Die Stromversorgung der Haushalte soll laut Regierung möglichst nicht eingeschränkt werden.
Nicht nur Ungarn kämpft mit den Folgen der Dürre. Auch in Rumänien wurde wegen sinkender Atomstromproduktion ein landesweiter Notstand ausgerufen. In Serbien mussten zwei große Wasserkraftwerke ihre Leistung deutlich drosseln, weil die Donau zu wenig Wasser führt.
Ungarn leidet bereits unter massiven Folgen der Trockenheit. In mehr als 100 Städten und Gemeinden wird Wasser rationiert, Schifffahrt und Tourismus sind eingeschränkt. Für Budapest werden in den kommenden Tagen erneut Temperaturen von bis zu 42 Grad erwartet.