Oliver Blatt, Chef des deutschen Krankenkassen-Dachverbands GKV, hat in der Debatte um die Gesundheitsreform einen umfassenden Steuer-Vorstoß gemacht. Er fordert die Einführung einer Zuckersteuer sowie eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer.
"Wir müssen als Gesellschaft dahin kommen, dass nicht mehr so viele Menschen an sogenannten Volkskrankheiten leiden", sagte Blatt. Sein Argument: "Lieber etwas teureres Bier und Zigaretten als die milliardenteuren Folgeerkrankungen vom Trinken und Rauchen."
Laut n-tv.de bezog sich Blatt dabei auf den Katalog einer Expertenkommission zu den GKV-Finanzen. Diese habe gute Vorschläge für höhere Alkohol- und Tabaksteuern sowie eine Zuckersteuer gemacht. Seine Aussagen tätigte er gegenüber der "Rheinischen Post".
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor enormen finanziellen Herausforderungen. Bis 2027 klafft ein Loch von 15 Milliarden Euro, bis 2040 könnte das Defizit auf 40 Milliarden Euro anwachsen.
Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 51 Prozent der Deutschen höhere Steuern auf Tabak und Spirituosen befürworten, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Auch eine Zuckersteuer findet mit 48 Prozent beinahe eine Mehrheit.
Ein weiterer Vorschlag des GKV-Chefs: ärztliche Zweitmeinungen vor Operationen. "Wenn eine Zweitmeinung eingeholt wurde, sehen rund drei Viertel der Patientinnen und Patienten von einer Operation ab und setzen lieber auf Physiotherapie oder eine andere Behandlung", so Blatt.