Klein & unscheinbar

Dieses "vergessene Organ" schützt dich ein Leben lang

Der Thymus bleibt auch im Erwachsenenalter wichtig: Neue Studien zeigen, dass seine Gesundheit das Immunsystem und die Lebenserwartung beeinflusst.
Heute Life
20.04.2026, 15:11
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Die Thymusdrüse ist ein kleines, oft übersehenes Organ – und spielt doch eine entscheidende Rolle für unser Immunsystem. Der Thymus ist ein kleines Organ mit der Form eines Schmetterlings. Im Vergleich zu seiner Nachbarin, der Schilddrüse, kennt ihn kaum jemand. Dabei ist die Drüse, die direkt hinter dem Brustbein liegt, in der Kindheit enorm wichtig. Hier werden die T-Zellen ausgebildet, die das Immunsystem stark machen. Im Laufe des Lebens wird der Thymus immer mehr zu Fettgewebe.

T-Zellen sind für das Erkennen und Bekämpfen von Krankheitserregern zuständig. Das "T" steht für Thymus, weil die Zellen in den ersten Lebensjahren im Thymus heranreifen.

Lange hat man geglaubt, dass das "Kinderorgan" nach der Pubertät seine Arbeit einstellt. Zwei neue Forschungsarbeiten räumen nun mit dieser alten Annahme auf. Dem zufolge bleibt der Thymus ein Leben lang wichtig: Wer eine gesunde Thymusdrüse hat, lebt länger und wird seltener krank.

Die erste Studie zeigt, dass Erwachsene mit einem gesunden Thymus eine höhere Lebenserwartung und ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs haben. Die zweite Studie an Krebspatienten fand heraus, dass die Gesundheit des Thymus beeinflussen kann, wie gut eine Immuntherapie wirkt.

"Im Nachbarlabor wurde erforscht, dass Patientinnen und Patienten, deren Thymusdrüse entfernt worden war, schlechtere Überlebenschancen nach herzchirurgischen Operationen hatten", sagt Erstautor Simon Bernatz im Gespräch mit ORF Wissen. Der Radiologe am Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt leitete die Studie als Postdoc an der Harvard Medical School in den USA. Das weckte das Interesse seines Teams: Wenn der Thymus so wichtig ist, könnte das ja auch die Allgemeinbevölkerung betreffen. Diese Vermutung war die Motivation hinter den beiden Studien.

Thymus als Biomarker

Mit einer von Bernatz und seinem Team entwickelten KI-gestützten Methode wurden mehr als 27.000 CT-Bilder aus zwei US-Langzeitstudien ausgewertet – eine zur Lungengesundheit, die andere zur Herz-Kreislauf-Gesundheit. In beiden Gruppen war ein gesunder Thymus eng mit besseren Gesundheitsergebnissen verbunden.

In der Lungengesundheits-Studie zeigte sich, dass ein gesunder Thymus mit einer niedrigeren Sterblichkeit und weniger Lungenkrebs einhergeht. In der Herz-Kreislauf-Gruppe war ein gesunder Thymus mit einer geringeren Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Vorteilhaft bei Krebstherapie

Die zweite Studie zeigte, dass ein gesunder Thymus auch den Erfolg von Immuntherapien bei Krebs beeinflussen kann. Die Auswertung der Daten von 3.400 Krebspatienten ergab, dass jene mit hoher Thymusgesundheit deutlich bessere Behandlungsergebnisse hatten, vor allem bei Lungenkrebs und Hautkrebs. Als Biomarker könnte der Thymus also helfen, Therapien besser auszuwählen und früher zu erkennen, wie es um die Gesundheit steht.

Kann man den Thymus stärken?

Kann man mit dem eigenen Lebensstil die Gesundheit des Thymus beeinflussen? Das Forschungsteam kann dazu keine konkreten Empfehlungen geben, weil die Studien nur Zusammenhänge zeigen. "Was wir zeigen konnten, ist: Personen, die einen guten Thymus hatten, hatten oft auch eine bessere allgemeine Gesundheit, seltener Tumorerkrankungen; sie entwickelten seltener kardiovaskuläre Erkrankungen oder sind seltener daran verstorben", sagt Bernatz.

Die Thymusgesundheit spiegelt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems wider. "Die Frage, ob man den Thymus mit einer spezifischen Intervention verjüngen kann, lässt sich also nicht beantworten", so der Radiologe. Die Botschaft ist eher "sehr pragmatisch": Ein gesunder Lebensstil kann dem Thymus guttun.

Mechanismus noch unklar

Die Zusammenhänge zeigen aber klar, dass die Thymusgesundheit "sehr eng" mit einem gesunden Lebensstil verbunden ist, etwa mit Bewegung. Eine schlechte Thymusgesundheit wiederum ist mit bekannten Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht verknüpft. Auch chronische Entzündungen, die durch schlechte Ernährung und ständigen Stress entstehen, spielen eine Rolle. Um herauszufinden, welcher Mechanismus dahintersteckt, braucht es noch weitere Studien, sagt Bernatz: "Und dann wird man sehen können, ob man den Thymus vielleicht auch ganz gezielt verjüngen oder seine Aktivität verbessern kann."

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.04.2026, 15:11
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